<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[forum ]]></title><description><![CDATA[Das Magazin des Medizinischen Dienstes]]></description><link>https://md-forum.de/</link><image><url>https://md-forum.de/favicon.png</url><title>forum </title><link>https://md-forum.de/</link></image><generator>Ghost 5.130</generator><lastBuildDate>Fri, 14 Aug 2026 17:43:09 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://md-forum.de/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Echter Fortschritt durch Künstliche Intelligenz]]></title><description><![CDATA[Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung grundlegend zu verändern. Umso wichtiger ist es, beizeiten die richtigen Weichen zu stellen.]]></description><link>https://md-forum.de/echter-fortschritt-durch-kunstliche-intelligenz/</link><guid isPermaLink="false">6a450e25716ed9098eeab2a8</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><dc:creator><![CDATA[Dr. Silke Heller-Jung]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:11:30 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_Titel_-c-istockphoto.com_LightFieldStudios-josefkubes.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_Titel_-c-istockphoto.com_LightFieldStudios-josefkubes.jpg" alt="Echter Fortschritt durch K&#xFC;nstliche Intelligenz"><p><em>K&#xFC;nstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung grundlegend zu ver&#xE4;ndern. Umso wichtiger ist es, beizeiten die richtigen Weichen zu stellen.</em></p><p>&#xBB;Hallo! Ich bin Pia, Ihre Pflege-Informations-Assistentin!&#xAB; Seit Mai dieses Jahres beantwortet die KI-basierte virtuelle Ansprechpartnerin im Internetauftritt des Medizinischen Dienstes rund um die Uhr Fragen zur Antragstellung oder zur Einstufung in einen Pflegegrad. Auch beim Lungenkrebs-Screening f&#xFC;r Menschen mit starkem Zigarettenkonsum, das seit April 2026 Kassenleistung ist, ist KI mit an Bord: Die zugeh&#xF6;rige Verordnung verpflichtet die Untersuchenden dazu, die Ergebnisse der Computertomografie &#xBB;zun&#xE4;chst ohne und anschlie&#xDF;end unter Nutzung einer Software zur computerassistierten Detektion&#xAB; auszuwerten. </p><p>Das Anwendungsspektrum f&#xFC;r K&#xFC;nstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung ist gro&#xDF;. Die Erwartungen, die damit verbunden werden, sind es auch. Richtig eingesetzt &#x2013; so die Hoffnung &#x2013; k&#xF6;nnte KI dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten, die Behandlungsqualit&#xE4;t zu verbessern und medizinische Innovationen zu f&#xF6;rdern. Um dieses Potenzial auszusch&#xF6;pfen, hat die Bundesregierung bereits im Jahr 2018 eine KI-Strategie aufgelegt. Allein zwischen 2020 und 2025 f&#xF6;rderte das Gesundheitsministerium die Entwicklung und Erprobung diverser KI-Anwendungen in der Medizin mit insgesamt rund 180 Mio. Euro.</p><h3 id="kosten-senken-mit-ki">Kosten senken mit KI </h3><p>Mittlerweile ist die KI l&#xE4;ngst im Versorgungsalltag angekommen &#x2013; z. B. in etwa jeder siebten Arztpraxis. Bei einer Befragung von mehr als 600 Medizinerinnen und Medizinern, die der Digitalverband Bitkom im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Hartmannbund durchf&#xFC;hrte, gaben 15% der &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte in Praxen oder medizinischen Versorgungszentren an, dass KI in ihrem beruflichen Umfeld zur Unterst&#xFC;tzung der Diagnosestellung und/oder in der Praxisverwaltung verwendet werde. In Krankenh&#xE4;usern hat sich der KIEinsatz der Umfrage zufolge seit 2022 verdoppelt: 18% der Befragten in Kliniken sagten, dass KI beispielsweise zur Auswertung bildgebender Verfahren verwendet werde. Krankenh&#xE4;user nutzen KI-Anwendungen dar&#xFC;ber hinaus auch zur automatischen Kodierung von Diagnosen und Behandlungen, f&#xFC;r die Abrechnung, den Einkauf, die Bettenplanung oder das Entlassmanagement. Krankenkassen setzen KI zur schnelleren Genehmigung von beantragten Leistungen und f&#xFC;r automatische Abrechnungspr&#xFC;fungen ein. Die Wirtschaftspr&#xFC;fungsgesellschaft Deloitte hat errechnet, dass die Kassen durch effizientere Abl&#xE4;ufe, unter anderem dank KI-Unterst&#xFC;tzung, j&#xE4;hrlich bis zu 13 Mrd. Euro sparen k&#xF6;nnten. Insgesamt, so sch&#xE4;tzt David Matusiewicz, Professor f&#xFC;r Medizinmanagement an der privaten FOM Hochschule, summiere sich das Einsparpotenzial durch KI im Gesundheitssystem auf bis zu 48 Mrd. Euro &#x2013; pro Jahr. Das Problem des Fachkr&#xE4;ftemangels im Gesundheitssystem k&#xF6;nnte durch den Einsatz von KI ebenfalls abgemildert werden &#x2013; etwa, indem sie die Besch&#xE4;ftigten bei Routineaufgaben unterst&#xFC;tzt.</p><h3 id="arzt-und-algorithmus-hand-in-hand">Arzt und Algorithmus Hand in Hand </h3><p>Auch im Hinblick auf die medizinische und pflegerische Versorgung der Patientinnen und Patienten richten sich viele Hoffnungen auf den Einsatz von KI: Sie habe das Potenzial, Leben zu retten und die &#xF6;ffentliche Gesundheit und Sicherheit zu verbessern, hie&#xDF; es 2024 in einem Bericht der OECD, der Organisation f&#xFC;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Hautver&#xE4;nderungen einsch&#xE4;tzen, R&#xF6;ntgenbilder auswerten, Therapien f&#xFC;r seltene Erkrankungen entwickeln oder Krankheiten fr&#xFC;hzeitig erkennen &#x2013; etliche Augaben, f&#xFC;r die bisher viel Erfahrung und Zeit erforderlich war, k&#xF6;nnen mit KI-Unterst&#xFC;tzung deutlich schneller erledigt werden, vor allem dort, wo gro&#xDF;e Datenmengen verarbeitet werden m&#xFC;ssen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK erforscht derzeit, ob sich durch die KI-gest&#xFC;tzte Analyse von Abrechnungsdaten Gesundheitsrisiken oder schwere Krankheitsverl&#xE4;ufe vorhersagen lassen. Auch bei der Entwicklung innovativer Medikamente kann der KI eine Schl&#xFC;sselrolle zukommen.</p><p>Die Bundesregierung will diese vielf&#xE4;ltigen M&#xF6;glichkeiten k&#xFC;nftig noch intensiver nutzen. Im Januar dieses Jahres stellte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie vor. Demnach soll KI k&#xFC;nftig gezielt dort eingesetzt werden, wo sie die Behandlungsqualit&#xE4;t erh&#xF6;ht, bei der medizinischen und pflegerischen Dokumentation entlastet, die Kommunikation erleichtert oder den Zugang zu validierten Gesundheitsinformationen verbessert. KI-Anwendungen sollen in sicheren Testumgebungen erprobt und ihre Wirksamkeit bewertet werden. Um die Fachkr&#xE4;fte zu entlasten, soll die KI-gest&#xFC;tzte Dokumentation zum Standard werden und bis 2028 in mindestens 70% der Gesundheitsund Pflegeeinrichtungen implementiert sein. Krankenkassen d&#xFC;rfen zu Forschungszwecken Versicherungsdaten auswerten. Der im Mai vorgelegte Referentenentwurf f&#xFC;r das Gesetz f&#xFC;r Daten und digitale Innovarion im Gesundheitswesen (GeDIG) sieht vor, dass diese Erlaubnis auch auf die Entwicklung von KI-Modellen f&#xFC;r die Forschung ausgedehnt werden soll.</p><h3 id="zwischen-euphorie-und-skepsis">Zwischen Euphorie und Skepsis </h3><p>Patientinnen und Patienten stehen dem Einsatz von KI im Gesundheitssystem mehrheitlich (71%) positiv gegen&#xFC;ber, ergab eine repr&#xE4;sentative Befragung im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom. Auch die &#xC4;rzteschaft ist der neuen Technologie gegen&#xFC;ber aufgeschlossen: 78% der &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte sehen in einer Umfrage in der KI eine riesige Chance f&#xFC;r die Medizin. In die Begeisterung mischt sich gleichwohl auch Skep&#xAD;sis. 76% der befragten Mediziner sprechen sich gleichzeitig f&#xFC;r eine strenge Regulierung von KI im medizinischen Kontext aus. Und auch die Patientinnen und Patienten haben trotz aller Begeisterung Angst vor einem m&#xF6;glichen Datenmissbrauch, einem Verlust an mensch&#xAD;&#xAD;licher Zuwendung und vor durch KI mitverursachten Fehlentscheidungen.</p><h3 id="ki-%E2%80%93-aber-sicher">KI &#x2013; aber sicher </h3><p>Die Deutsche Gesellschaft f&#xFC;r k&#xFC;nstliche Intelligenz in der Medizin e.V. betont, die KI d&#xFC;rfe medizinische Entscheidungen des Menschen unterst&#xFC;tzen, aber nicht ersetzen. Das Universit&#xE4;tsklinikum Leipzig geht noch einen Schritt weiter und hat klinikintern ein eigenes KI-basiertes System entwickelt. Es unterst&#xFC;tzt Diagnoseund Therapieentscheidungen im Klinikalltag durch Datenauswertungen in Echtzeit und hilft z. B. bei der Fr&#xFC;herkennung von akutem Nierenversagen. &#xBB;Je gr&#xF6;&#xDF;er der Einfluss digitaler Systeme auf Diagnose und Therapie wird, desto wichtiger ist es, dass medizinische Verantwortung und Gestaltungsmacht im klinischen Umfeld verbleiben&#xAB;, erkl&#xE4;rt Dr.Robert Jacob, der Kaufm&#xE4;nnische Vorstand. </p><p>Der Einsatz von KI wirft eine Reihe von ethischen und rechtlichen Fragen auf: Wie werden sensible Patientendaten gesch&#xFC;tzt? Wer haftet f&#xFC;r Fehlentscheidungen? Damit die Interaktion zwischen Mensch und Maschine funktioniert, muss nicht nur das medizinische und pflegerische Personal geschult und die KI-Anwendung passgenau in die Arbeitsabl&#xE4;ufe integriert werden. Unabdingbar sind auch Ma&#xDF;nahmen, die gew&#xE4;hrleisten, dass die in der Medizin verwendeten KISysteme sicher und vertrauensw&#xFC;rdig sind. </p><p>F&#xFC;r den Erfolg und die Akzeptanz der KI in der Gesundheitsversorgung sind ethische Leitplanken und verl&#xE4;ssliche rechtliche Rahmenbedingungen eine zwingende Voraussetzung. Mit dem 2024 implementierten &#x203A;AI Act&#x2039; hat die Europ&#xE4;ische Union einen verbindlichen rechtlichen Rahmen&#xA0;f&#xFC;r die Entwicklung, den Einsatz und die Nutzung von&#xA0;K&#xFC;nstlicher Intelligenz in der EU abgesteckt. Er sieht umso strengere Vorgaben vor, je h&#xF6;her das mit der KI-Nutzung verbundene Risiko f&#xFC;r die Gesundheit, die Sicherheit oder die Grundrechte ist. Auch die &#xC4;rztin und Medizinethikerin Alena Buyx, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und nach eigener Aussage ein &#x203A;Riesenfan&#x2039; der KI-Technologie, mahnt einen verantwortungsvollen Umgang damit an. In einem Podcast betonte sie vor Kurzem: &#xBB;Wir sind in der Medizin in einem Bereich, wo wir wirklich aufpassen m&#xFC;ssen, weil es bei uns um Menschen geht.&#xAB;</p><p></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[KI in der Pflegebegutachtung – mehr als eine Effizienzfrage]]></title><description><![CDATA[Wie KI die Pflegebegutachtung unterstützen, effizienter machen, vielleicht sogar teilautomatisieren könnte, darüber wird derzeit viel nachgedacht. Ein Wissenschaftsteam der Humboldt-Universität Berlin und der Charité der Universitätsmedizin Berlin hat das jüngst empirisch erprobt.]]></description><link>https://md-forum.de/ki-in-der-pflegebegutachtung-mehr-als-eine-effizienzfrage/</link><guid isPermaLink="false">6a45184c716ed9098eeab33f</guid><category><![CDATA[Begutachtung]]></category><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Pflege]]></category><category><![CDATA[Pflegequalität]]></category><dc:creator><![CDATA[Andrea Kimmel]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:10:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.11_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_CavanImages.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.11_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_CavanImages.jpg" alt="KI in der Pflegebegutachtung &#x2013; mehr als eine Effizienzfrage"><p><em>Wie K&#xFC;nstliche Intelligenz die Pflegebegutachtung unterst&#xFC;tzen, effizienter machen, vielleicht sogar teilautomatisieren k&#xF6;nnte, dar&#xFC;ber wird derzeit viel nachgedacht. Ein Wissenschaftsteam der Humboldt-Universit&#xE4;t Berlin und der Charit&#xE9; der Universit&#xE4;tsmedizin Berlin hat das j&#xFC;ngst empirisch erprobt.</em></p><p>Trainiert und verglichen wurden verschiedene KI-Modelle mit Daten von &#xFC;ber 72.000 Pflegebegutachtungen des Me&#xAD;dizinischen Dienstes. Gezeigt werden konnte, dass sich die Pflegegradempfehlung allein aus den Kommentierungen der Gutachterinnen und Gutachter &#x2013;&#xA0;den narrativen Teilen des Gutachtens, in denen sie ihre Bewertungen in eigenen Worten begr&#xFC;nden &#x2013; mit einer &#xDC;bereinstimmung von bis zu 85% vorhersagen lie&#xDF;. Und doch halten die Autoren fest: Automatisierung darf nicht das Ziel der Pflegebegutachtung sein. Die gutachterliche Expertise bleibt unersetzlich. Warum? </p><p>Was diese KI-Modelle lernen, sind nicht die realen Lebenssituationen der pflegebed&#xFC;rftigen Menschen und ihrer An- und Zugeh&#xF6;rigen, sondern wie die Gutachterinnen und Gutachter diese beschreiben und beurteilen. Auch bessere Daten und mehr Training der Modelle &#xE4;ndern daran nichts. Die Modelle arbeiten immer nur mit dem Abbild der Realit&#xE4;t, nicht mit dem gutachterlichen Beurteilungsprozess, der dieses Abbild geformt hat. Und ein Teil dieser Beurteilung entzieht sich der Dokumentation: Er basiert auf implizitem Wissen &#x2013; auf Erfahrungen, Wahrnehmungen und dem professionellen Urteilsverm&#xF6;gen der Gutachtenden.</p><h3 id="signale-deuten">Signale deuten </h3><p>Solch implizites Erfahrungs- und Expertenwissen ist f&#xFC;r die Pflegebegutachtung entscheidend, wenn es darum geht, Risiken einzusch&#xE4;tzen oder Aspekte zu erkennen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar werden; z. B. wenn die Gutachterinnen und Gutachter beurteilen, ob eine Pflegesituation stabil, gef&#xE4;hrdet oder gar prek&#xE4;r ist: Vielleicht riecht die Wohnung anders als sie aussieht; vielleicht sagt die pflegebed&#xFC;rftige Person, es gehe ihr gut, zuckt jedoch jedes Mal zusammen, wenn der Schwiegersohn in ihre N&#xE4;he kommt. Das Deuten solcher Signale &#x2013; in der Atmosph&#xE4;re, in der Interaktion, im Nichtgesagten&#xA0;&#x2013; ist ein zentraler Aspekt gutachterlicher Expertise. Der Philosoph Michael Polanyi nennt es &#xBB;We know more than we can tell&#xAB;. Es ist Erfahrungswissen, sedimentiert in hunderten Hausbesuchen, in vielen Begegnungen. Und das l&#xE4;sst sich nicht kodieren. </p><p>Beim Ausloten der Potenziale von KI f&#xFC;r die Pflegebegutachtung sollte daher immer auch die Frage gestellt werden: Was kann KI nicht &#xFC;bernehmen? Was sind Grenzf&#xE4;lle oder Situationen, in denen die Gutachtenden eine Entscheidung treffen aber die Begr&#xFC;ndung daf&#xFC;r erst im Nachhinein rekonstruieren k&#xF6;nnen. Das sind die Momente, in denen gutachterliches Erfahrungswissen sichtbar wird. Zu wissen, was nicht delegierbar ist, hilft gleichzeitig zu entscheiden, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann. </p><h3 id="wissenschaft-und-praxis-gemeinsam">Wissenschaft und Praxis gemeinsam </h3><p>Hinzu kommt ein wichtiger ethischer Aspekt: Der pflegebed&#xFC;rftige Mensch ist kein Datenobjekt. Auch wenn es in der Pflegebegutachtung vor allem darum geht, Anspruchsvoraussetzungen auf Sozialleistungen zu objektivieren, sollte das Bem&#xFC;hen im Vordergrund stehen, nicht nur zu messen, sondern auch zu verstehen: Was braucht dieser Mensch in dieser kritischen Lebenssituation? So verstanden, ist die Pflegebegutachtung immer auch menschliche Begegnung und ein Akt der Anerkennung. </p><p>Doch kann Technik genau dabei helfen: indem sie entlastet, strukturiert und unterst&#xFC;tzt, damit ihr Kern, die menschliche Begegnung und das professionelle Urteil, auch k&#xFC;nftig gew&#xE4;hrleistet bleibt. Zu pr&#xFC;fen, wie die Verbindung Mensch und Technik in diesem Sinne gelingen kann, ist eine fachliche Aufgabe, die von Wissenschaft und Praxis gemeinsam angegangen werden sollte.</p><hr><h2 id="interview-mit-prof-dr-karin-wolf-ostermann">Interview mit  Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann</h2><p><em>Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann ist Professorin f&#xFC;r Versorgungsforschung in der Pflege an der Universit&#xE4;t Bremen und eine der f&#xFC;hrenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Pflegeforschung in Deutschland. </em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Wolf-Ostermann_beschnitten.jpg" class="kg-image" alt="KI in der Pflegebegutachtung &#x2013; mehr als eine Effizienzfrage" loading="lazy" width="1000" height="859" srcset="https://md-forum.de/content/images/size/w600/2026/07/Wolf-Ostermann_beschnitten.jpg 600w, https://md-forum.de/content/images/2026/07/Wolf-Ostermann_beschnitten.jpg 1000w" sizes="(min-width: 720px) 720px"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xA9; Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann</span></figcaption></figure><h3 id="was-kann-ki-in-der-pflege-begutachtung-realistisch-leisten-wo-liegen-die-grenzen">Was kann KI in der Pflege(-begutachtung) realistisch leisten? Wo liegen die Grenzen? </h3><p>Der aktuelle Forschungsstand spricht daf&#xFC;r, KI in der Pflegebegutachtung derzeit vor allem als Assistenz- und Unterst&#xFC;tzungstechnologie zu betrachten, d.h. KI kann professionelle Einsch&#xE4;tzungen unterst&#xFC;tzen. KI kann und sollte aber derzeit nicht die&#xA0;fachliche Begutachtung durch qualifizierte Pflegefachpersonen vollst&#xE4;ndig ersetzen. Dazu muss man sich klar machen, was KI letztlich ist: n&#xE4;mlich verk&#xFC;rzt gesagt eine Technologie, die Maschinen dazu bef&#xE4;higt, &#x203A;intelligent&#x2039; zu handeln. KI ist dabei aber beispielsweise davon abh&#xE4;ngig, welche Modelle und Algorithmen zugrunde gelegt werden, welche Datengrundlagen verf&#xFC;gbar sind und welche Qualit&#xE4;t diese aufweisen. </p><p>KI kann derzeit insbesondere bei der Analyse von Daten, der Strukturierung von Prozessen und der Bereitstellung von Entscheidungsgrundlagen unterst&#xFC;tzen &#x2013; wenn entsprechend valide&#xA0;Datenbasen elektronisch verf&#xFC;gbar sind. Kritisch sehe ich Bereiche, wo pflegerelevante Aspekte &#x2013; z. B. Lebensqualit&#xE4;t oder subjektive Belastung &#x2013; nur begrenzt datenbasiert erfassbar sind oder aber verzerrte oder unvollst&#xE4;ndige Datens&#xE4;tze zu fehlerhaften&#xA0;Empfehlungen f&#xFC;hren k&#xF6;nnten. </p><p>Die professionelle Bewertung der individuellen Lebenssituation, die ethische Abw&#xE4;gung und die Verantwortung f&#xFC;r die Begutachtung bleiben daher derzeit zentrale Aufgaben qualifizierter Pflegefachpersonen und die Verantwortung f&#xFC;r Entscheidungen kann nicht auf die KI &#xFC;bertragen werden.</p><h3 id="wie-ver%C3%A4ndert-ki-unterst%C3%BCtzung-die-professionelle-identit%C3%A4t-der-pflegefachperson-in-der-begutachtung-und-was-bedeutet-das-f%C3%BCr-die-ausbildung">Wie ver&#xE4;ndert KI-Unterst&#xFC;tzung die professionelle Identit&#xE4;t der Pflegefachperson in der Begutachtung und was bedeutet das f&#xFC;r die Ausbildung? </h3><p>Aus meiner Sicht st&#xE4;rkt der&#xA0;Einsatz von KI letztendlich die professionelle Identit&#xE4;t, weil sie den Fokus auf eine notwendige Fachlichkeit richtet. Dies erfordert aber gute fachliche Kompetenzen ebenso wie digitale und reflexive F&#xE4;higkeiten. Wenn KI datenbasierte Entscheidungen gut vorbereiten kann, ver&#xE4;ndert sich die professionelle Rolle: Pflegefachpersonen m&#xFC;ssen dann in der Lage sein, KI-generierte Vorschl&#xE4;ge fachlich einzuordnen und als &#x203A;kritische Nutzerinnen und&#xA0;Nutzer&#x2039; solcher Systeme zu agieren. Dies bietet zugleich die Chance, sich st&#xE4;rker auf die Kernbereiche professionellen Handelns zu konzentrieren und Begutachtungen zu individualisieren. Es&#xA0;bedeutet aber auch, dass wir Pflegefachpersonen ben&#xF6;tigen, die zum einen fachlich sehr gut ausgebildet sind, zum anderen aber auch in den Bereichen Datenkompetenz, KI-Kompetenz und digitale Ethik Kompetenzen erwerben m&#xFC;ssen. </p><h3 id="was-muss-wissenschaftlich-gekl%C3%A4rt-sein-bevor-ki-in-der-pflegebegutachtung-regelhaft-eingesetzt-werden-kann">Was muss wissenschaftlich gekl&#xE4;rt sein, bevor KI in der Pflegebegutachtung regelhaft eingesetzt werden kann? </h3><p>Aus meiner Sicht m&#xFC;ssen noch eine Reihe offener Fragen wissenschaftlich belastbar gekl&#xE4;rt werden. Dies betrifft z. B. Fragen zur Validit&#xE4;t und Transparenz: Liefert die KI konsistente und fachlich korrekte Ergebnisse und sind diese Ergebnisse mindestens gleichwertig oder besser als bestehende Verfahren? Verbessert KI tats&#xE4;chlich die Qualit&#xE4;t, Objektivit&#xE4;t und Effizienz von Begutachtungen und tr&#xE4;gt sie nachweislich zu fachlich besseren Ergebnissen f&#xFC;r Pflegebed&#xFC;rftige bei? K&#xF6;nnen Pflegefachpersonen nachvollziehen, wie eine Empfehlung zustande kommt? Bei&#xA0;welchen Versorgungskonstellationen kommt KI derzeit an ihre Grenzen, z. B. aufgrund von Alter, Geschlecht, Bildung, Migrationshintergrund oder besonderen Pflegearrangements? Und werden m&#xF6;glicherweise bestimmte&#xA0;Personengruppen systematisch benachteiligt? Neben rechtlichen Fragen zur Verantwortung bei Fehlentscheidungen m&#xFC;sste f&#xFC;r eine regelhafte Anwendung dann nat&#xFC;rlich auch festgelegt werden, wie Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung und Gerechtigkeit gew&#xE4;hrleistet werden k&#xF6;nnen. Und nicht zuletzt m&#xFC;sste man schauen, ob der Einsatz von KI langfristig die Urteilsbildung von Gutachterinnen und Gutachtern ver&#xE4;ndert und eine zu gro&#xDF;e Abh&#xE4;ngigkeit von technischen Empfehlungen entsteht. </p><p>Insofern haben wir sicher noch einen l&#xE4;ngeren Weg vor uns. Aus meiner Sicht lohnt es sich jedoch, diesen Weg fr&#xFC;hzeitig zu beschreiten, damit technische M&#xF6;glichkeiten nicht die fachlichen Fragestellungen bestimmen, sondern fachliche Anforderungen die Entwicklung und den Einsatz von KI leiten.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Darf der Roboter den Menschen ersetzen?]]></title><description><![CDATA[Werden KI-gesteuerte Geräte bald die Regie bei Operationen übernehmen? Ersetzen Roboter bald die Pflegerin im Pflegeheim? Interview mit dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Professor Dr.jur.Helmut Frister.]]></description><link>https://md-forum.de/darf-der-roboter-den-menschen-ersetzen/</link><guid isPermaLink="false">6a451311716ed9098eeab2f9</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Interview]]></category><dc:creator><![CDATA[Gabi Stief]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:09:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/pressefoto-frister-quer.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/pressefoto-frister-quer.jpg" alt="Darf der Roboter den Menschen ersetzen?"><p><em>Werden KI-gesteuerte Ger&#xE4;te bald die Regie bei Operationen &#xFC;bernehmen? Ersetzen Roboter bald die Pflegerin im Pflegeheim? &#xDC;ber die ethischen Herausforderungen, die sich mit dem Einzug dieser neuen Technologie in Medizin und Pflege stellen, sprach </em>forum <em>mit dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Professor Dr. jur. Helmut Frister.</em></p><h3 id="professor-frister-die-k%C3%BCnstliche-intelligenz-l%C3%B6st-begeisterung-aus-aber-weckt-auch-%C3%A4ngste-zu-recht">Professor Frister, die K&#xFC;nstliche Intelligenz l&#xF6;st Begeisterung aus, aber weckt auch &#xC4;ngste. Zu Recht? </h3><p>Es gibt unbegr&#xFC;ndete &#xC4;ngste, aber auch berechtigte &#xC4;ngste aufgrund von Risiken, auf die man hinweisen muss. Der Deutsche&#xA0;Ethikrat hat dies bereits fr&#xFC;h getan. 2023 hat das Gremium eine&#xA0;umfangreiche Stellungnahme zum KI-Einsatz ver&#xF6;ffentlicht. </p><h3 id="waren-sie-mit-der-resonanz-zufrieden">Waren Sie mit der Resonanz zufrieden? </h3><p>Die Resonanz war &#xFC;berw&#xE4;ltigend. Das lag unter anderem daran, dass unsere Stellungnahme kurz nach der Premiere von ChatGPT ver&#xF6;ffentlicht wurde. Alle interessierten sich pl&#xF6;tzlich f&#xFC;r KI und damit auch f&#xFC;r unsere Stellungnahme, obwohl &#x203A;Large Language M&#x2039;, also gro&#xDF;e Sprachmodelle wie ChatGPT in unserer Stellungnahme noch kein Thema waren. Aus verst&#xE4;ndlichen Gr&#xFC;nden. ChatGPT war bei der Fertigstellung der Stellungnahme noch nicht auf dem Markt. </p><h3 id="gab-es-auch-reaktionen-aus-der-politik">Gab es auch Reaktionen aus der Politik? </h3><p>Es gab Einladungen der Fraktionen und sogar des Bundespr&#xE4;sidenten. Aber uns ging es nicht unmittelbar darum, gesetzliche Regelungen auf den Weg zu bringen. Seit zwei Jahren gibt es ein umfassendes Gesetz zur Regulierung der K&#xFC;nstlichen&#xA0;Intelligenz auf europ&#xE4;ischer Ebene. Da steht sehr viel drin, was&#xA0;gemacht werden muss. Jetzt geht es darum, diese EU-Verordnung (AI-Act) anzuwenden und mit Leben zu f&#xFC;llen, was schwierig genug ist. Im Februar hat das Bundeskabinett hierzu einen&#xA0;Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. </p><h3 id="wo-sehen-sie-den-gr%C3%B6%C3%9Ften-handlungsbedarf">Wo sehen Sie den gr&#xF6;&#xDF;ten Handlungsbedarf? </h3><p>Man muss daf&#xFC;r sorgen, dass KI-Anwendungen die erforderliche Qualit&#xE4;t aufweisen. Das kann man nicht allein durch gesetzliche Vorschriften erreichen. Denn jede KI ist nur so gut wie die Trainingsdaten, die bei der Entwicklung zur Verf&#xFC;gung stehen. Um eine KI im medizinischen Bereich zu&#xA0;entwickeln, m&#xFC;ssen die Informatiker mit Medizinexperten, am besten mit den medizinischen Fachgesellschaften zusammenarbeiten. Diese Kooperation muss bei jeder Entwicklung sozusagen tagt&#xE4;glich stattfinden. Darin sehe ich aktuell die gr&#xF6;&#xDF;te Herausforderung. Die Qualit&#xE4;t muss gew&#xE4;hrleistet sein.</p><h3 id="passiert-das-schon-w%C4%B1rd-kooperiert">Passiert das schon? W&#x131;rd kooperiert? </h3><p>Ja. Aber ich glaube, es ist noch nicht ausreichend institutionalisiert. </p><h3 id="kommen-wir-zum-praktischen-einsatz-der-neuen-technologie-in-praxen-und-kliniken-welche-ethischen-anforderungen-sehen-sie">Kommen wir zum praktischen Einsatz der neuen Technologie in Praxen und Kliniken. Welche ethischen Anforderungen sehen Sie? </h3><p>Diese neuen Entwicklungen m&#xFC;ssen f&#xFC;r alle Patienten und Patientinnen zug&#xE4;nglich sind. Sie d&#xFC;rfen nicht in der High-TechMedizin verbleiben. Dann h&#xE4;tten wir eine Zwei-Klassen-Medizin. Dies betrifft auch die Ausbildung der Mediziner. Alle m&#xFC;ssen&#xA0;integriert werden, damit alle lernen, mit der neuen Technologie&#xA0;umzugehen. </p><h3 id="es-gibt-stimmen-die-vor-einem-blinden-vertrauen-in-die-ki-systeme-warnen-was-sagen-sie-dazu">Es gibt Stimmen, die vor einem blinden Vertrauen in die KI-Systeme warnen. Was sagen Sie dazu? </h3><p>Mir ist wichtig: Die KI darf nicht die letzte Entscheidung treffen. Die KI-Entscheidung muss generell einer Plausibilit&#xE4;tskontrolle durch den Arzt unterzogen werden. In der Praxis ist dies allerdings nicht einfach umzusetzen. Wenn Studien zeigen, dass die KI besser ist als ein erfahrener Radiologe oder eine erfahrene Radiologin, dann wird es f&#xFC;r ihn oder sie schwer, zu sagen, ich &#xFC;berstimme die KI. Kann er das verantworten? Darin steckt eine erhebliche ethische Herausforderung.</p><h3 id="das-w%C3%BCrde-bedeuten-dass-%C3%A4rztinnen-und-%C3%A4rzte-zu-assistenten-der-maschine-werden">Das w&#xFC;rde bedeuten, dass &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte zu Assistenten der Maschine werden. </h3><p>Die Gefahr besteht, mit m&#xF6;glicherweise weitreichenden Folgen. Wenn man routinem&#xE4;&#xDF;ig der KI immer mehr Entscheidungen &#xFC;berl&#xE4;sst, leidet die menschliche F&#xE4;higkeit, selbst Diagnosen zu stellen. Das wiederum k&#xF6;nnte zu gravierenden Problemen f&#xFC;hren, wenn die KI mal nicht zur Verf&#xFC;gung steht und ausf&#xE4;llt. Hinzu kommt das Problem der Intransparenz der KI-Systeme. Bei manchen Systemen k&#xF6;nnen selbst die Entwickler einzelne Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen. Warum empfiehlt die KI dies oder jenes? Die KI urteilt nicht aufgrund von Erfahrung. In der Medizin geht es aber oft um f&#xFC;r die Menschen bedeutungsvolle Entscheidungen. Wenn man diese Entscheidung nicht erkl&#xE4;ren kann, ist das schwierig. </p><h3 id="aber-der-umgang-mit-hoch-spezialisierter-technik-die-mediziner-nicht-erkl%C3%A4ren-k%C3%B6nnen-ist-im-gesundheitswesen-nicht-neu">Aber der Umgang mit hoch spezialisierter Technik, die Mediziner nicht erkl&#xE4;ren k&#xF6;nnen, ist im&#xA0;Gesundheitswesen nicht neu. </h3><p>Stimmt. Aber wir haben ein&#xA0;enormes ethisches Problem, wenn die KI eine weitere Chemotherapie als aussichtslos bewertet, aber der Mediziner und der Patient nicht wissen warum. Das darf es eigentlich nicht geben. Schlie&#xDF;t sich eine weitere Frage an: Wer ist bei einer Fehldiagnose verantwortlich? Wenn die KI einen Fehler macht, ist derjenige verantwortlich, der sie entwickelt und trainiert hat. Es tritt die Produkthaftung ein. Wenn allerdings die KI falsch&#xA0;eingesetzt wurde, ist der Anwender, der Mediziner, verantwortlich. Schwierig wird es, wenn die KI falsch liegt, aber f&#xFC;r den Fehler weder Anwender noch Entwickler verantwortlich sind. Es gibt &#xDC;berlegungen, dass die KI eine eigene Rechtspers&#xF6;nlichkeit bekommt, also letztlich selbst haften sollte. Aber das halte ich f&#xFC;r eine Scheindiskussion.</p><h3 id="sind-die-patientinnen-und-patienten-aktuell-ausreichend-vom-recht-gesch%C3%BCtzt">Sind die Patientinnen und Patienten aktuell ausreichend vom Recht gesch&#xFC;tzt? </h3><p>Ja. Wie bei anderen Behandlungsproblemen. </p><h3 id="der-rat-hat-sich-sehr-fr%C3%BCh-auch-mit-dem-einsatz-von-assistenzrobotern-in-der-pflege-besch%C3%A4ftigt-und-davor-gewarnt-sie-einzig-zur-l%C3%B6sung-der-personalprobleme-zu-nutzen-ist-diese-botschaft-angekommen">Der Rat hat sich sehr fr&#xFC;h auch mit dem Einsatz von Assistenzrobotern in der Pflege besch&#xE4;ftigt und davor gewarnt, sie einzig zur L&#xF6;sung der Personalprobleme zu nutzen. Ist diese Botschaft angekommen? </h3><p>Von den Pflegeexperten im Ethikrat h&#xF6;re ich, dass die Stimmung in der Branche schwankt. Manche glauben an den Nutzen von KI. Es gibt aber auch Stimmen, die bef&#xFC;rchten, dass der Pflegeaufwand mit dem Einsatz des Roboters steigt und die Gefahr besteht, dass man sich mehr mit dem Roboter und weniger mit den Menschen besch&#xE4;ftigt. Ich pers&#xF6;nlich kann mir vorstellen, dass man das Personal von bestimmten Routinet&#xE4;tigkeiten entlastet, um der enorm wichtigen menschlichen Zuwendung in der Pflege mehr Raum zu verschaffen. Ich hoffe, dass das gelingt. Aber das ist heute noch nicht absehbar. </p><h3 id="k%C3%B6nnte-der-rat-nicht-die-erw%C3%BCnschte-entwicklung-f%C3%B6rdern">K&#xF6;nnte der Rat nicht die erw&#xFC;nschte Entwicklung f&#xF6;rdern? </h3><p>Wir sind kein Aufsichtsgremium &#xFC;ber die Pflege. Wir k&#xF6;nnen nur Empfehlungen geben. Und man muss sehen: Wir haben aufgrund der demografischen Entwicklung in der Pflege ein Riesenproblem. Aber der Glaube, dieses lie&#xDF;e sich beheben, indem man Heerscharen von Robotern in die Pflegeheime schickt, w&#xE4;re naiv.</p><h3 id="auch-die-psychotherapie-leidet-unter-personalnot-als-hilfe-sind-nun-verst%C3%A4rkt-ki-chatbots-im-einsatz-birgt-diese-emotionale-beziehung-zwischen-mensch-und-maschine-nicht-auch-gefahren">Auch die Psychotherapie leidet unter Personalnot. Als Hilfe sind nun verst&#xE4;rkt KI-Chatbots im Einsatz. Birgt diese emotionale Beziehung zwischen Mensch und Maschine nicht auch Gefahren? </h3><p>Richtig ist, dass viele der Apps, die im Internet angeboten werden, ohne die Genehmigung als digitale Gesundheitsanwendung hochproblematisch sind. Was passiert, wenn Menschen diesen Chatbot, der immer freundlich ist, mit einem echten Menschen&#xA0;verwechseln? Wenn er die Freundin ersetzt? Es gibt Vermutungen, dass dabei die F&#xE4;higkeit zu&#xA0;normalen sozialen Kontakten, zum Einf&#xFC;hlen in mein Gegen&#xFC;ber verloren geht. </p><h3 id="besteht-die-gefahr-dass-grunds%C3%A4tzlich-menschliche-zuwendung-ein-wichtiger-teil-jeder-therapie-verloren-geht">Besteht die Gefahr, dass grunds&#xE4;tzlich menschliche Zuwendung, ein wichtiger Teil jeder Therapie, verloren geht? </h3><p>Ja. Aber das darf nicht geschehen. Menschliche Zuwendung ist wichtig, vor allem in der Pflege. Aber auch in der Medizin. Der Arzt muss mit dem Patienten sprechen, ihm alles erkl&#xE4;ren und nicht nur sagen: &#xBB;Das sagt die KI.&#xAB; Der Roboter darf den Menschen nicht ersetzen. </p><h3 id="w%C4%B1r-haben-nun-viel-%C3%BCber-die-risiken-gesprochen-was-ist-mit-den-chancen">W&#x131;r haben nun viel &#xFC;ber die Risiken gesprochen. Was ist mit den Chancen? </h3><p>Gut, dass Sie das fragen. Eine Botschaft ist mir sehr wichtig: Die KI ist in der medizinischen Forschung enorm n&#xFC;tzlich. Sie sieht Korrelationen, die ein Mensch nicht sehen kann. Das ist ein enormer Fortschritt f&#xFC;r die Medizin, vor allem f&#xFC;r die Krebsforschung und die Entwicklung von Impfstoffen. Und im besten Fall segensreich f&#xFC;r die Menschen. Man darf nicht nur die Risiken sehen, sondern muss auch die Chancen beachten.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wissenschaft im Zeitalter von KI]]></title><description><![CDATA[Seit Jahren wächst die Zahl der veröffentlichten Studien, die teilweise oder komplett gefälscht sind. Künstliche Intelligenz verschärft das Problem.]]></description><link>https://md-forum.de/wissenschaft-im-zeitalter-von-ki/</link><guid isPermaLink="false">6a451c09716ed9098eeab36e</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><dc:creator><![CDATA[Christina Sartori]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:08:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.12_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_DimaBerlin.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.12_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_DimaBerlin.jpg" alt="Wissenschaft im Zeitalter von KI"><p><em>Seit Jahren w&#xE4;chst die Zahl der ver&#xF6;ffentlichten Studien, die teilweise oder komplett gef&#xE4;lscht sind. K&#xFC;nstliche Intelligenz versch&#xE4;rft das Problem.</em></p><p>Studien sind die Bausteine der Wissenschaft, sie bilden zusammen das gro&#xDF;e Geb&#xE4;ude der Wissenschaft. Werden anstelle von Bausteinen Pappkartons verbaut, dann besteht Einsturzgefahr. In der Wissenschaft sind es nicht Pappkartons, sondern gef&#xE4;lschte Studien, die das gro&#xDF;e Geb&#xE4;ude der Wissenschaft bedrohen &#x2013; und KI verst&#xE4;rkt das Problem noch. </p><p>Das stellt auch Prof. Dr. Bernhard Sabel fest, der das Problem der gef&#xE4;lschten Studien intensiv kennt. Der Neuropsychologe &#xFC;berpr&#xFC;fte vor einigen Jahren zusammen mit einem Team in einer wissenschaftlichen Studie 17000 biomedizinische Arbeiten. Mit erschreckendem Resultat: &#xBB;Am Ende kamen wir zu dem Ergebnis, dass 16% der Arbeiten verd&#xE4;chtig waren, und das waren Arbeiten von vor dem Jahr 2022.&#xAB; Inzwischen sei das Problem noch gr&#xF6;&#xDF;er, vermutet Sabel. </p><p>Seine Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen anderer Forschenden: Immer wieder werden Studien, die teilweise gef&#xE4;lschte Inhalte enthalten oder komplett erfunden sind, selbst in angesehenen Fachzeitschriften ver&#xF6;ffentlicht. &#x203A;Paper Mills&#x2039; (Papierfabriken) werden Organisationen genannt, die gef&#xE4;lschte oder manipulierte Arbeiten produzieren und verkaufen. Der Name spielt auf die gro&#xDF;e Menge an &#x203A;paper&#x2039; an, wie Studienver&#xF6;ffentlichungen im Englischen genannt werden. </p><p>Verschiedene Gr&#xFC;nde erm&#xF6;glichen Paper Mills: Zum einen ist die Nachfrage sehr gro&#xDF;: Wer sich in der Wissenschaft einen Namen machen will oder finanzielle Unterst&#xFC;tzung f&#xFC;r seine Forschung ben&#xF6;tigt, der muss eine m&#xF6;glichst lange Liste an ver&#xF6;ffentlichten Studien vorweisen. Au&#xDF;erdem werden heutzutage jedes Jahr Millionen von Studien produziert. Daraus folgt: Die Herausgeber und ihre Experten, die die Artikel &#xFC;berpr&#xFC;fen sollen, k&#xF6;nnen Studien in der Regel nicht gr&#xFC;ndlich genug &#xFC;berpr&#xFC;fen, um professionelle T&#xE4;uschungen zu erkennen. Denn in den paper mills wird so professionell manipuliert und get&#xE4;uscht, dass dies nur sehr schwer zu erkennen ist. Sabel, der schon einmal mit einem Mitarbeiter einer solchen paper mill gesprochen hat, fasst zusammen: &#xBB;Die haben hunderte von Mitarbeitern, die nicht viel Ahnung von Wissenschaft haben. Aber sie sind schlau, was die Produktion von solchen Arbeiten betrifft.&#xAB; </p><h3 id="ein-gro%C3%9Fes-problem-f%C3%BCr-die-wissenschaft">Ein gro&#xDF;es Problem f&#xFC;r die Wissenschaft </h3><p>KI macht Manipulation und T&#xE4;uschung noch einfacher, warnt Sabel: &#xBB;Fake-Publikationen wurden vorher schon geschrieben und Bildplagiate, Textplagiate und irgendwelche erfundenen Daten konnte man vorher auch ohne KI schon machen. Aber KI potenziert das Problem jetzt, weil es noch einfacher geht.&#xAB; Gef&#xE4;lschte Studien untergraben die Glaubw&#xFC;rdigkeit wissenschaftlicher Arbeit, und sie k&#xF6;nnen dazu f&#xFC;hren, dass Forschungsgebiete finanziell gef&#xF6;rdert werden, die eigentlich keiner F&#xF6;rderung wert sind. Um das Problem zu l&#xF6;sen, setzen auch die wissenschaftlichen Verlage auf KI: Mittlerweile nutzen sie Computerprogramme, die mithilfe von KI eingereichte Artikel gezielt auf m&#xF6;gliche F&#xE4;lschungen hin pr&#xFC;fen. Noch ist nicht klar, ob dies allein das Problem l&#xF6;sen wird. Deswegen formulierte Bernhard Sabel 2025 zusammen mit anderen Wissenschaftlern die &#x203A;Stockholm Declaration&#x2039;, in der das Problem der gef&#xE4;lschten Studien klar benannt wird. Obwohl die &#xF6;ffentliche Diskussion ein gewisses Risiko birgt. &#xBB;Ja, das ist ein moralisches Dilemma&#xAB;, sagt der Neuropsychologe. &#xBB;Denn einerseits wollen wir jetzt nicht &#xFC;bertreiben und eine unzul&#xE4;ssige Generalisierung machen, dass wir kein Vertrauen mehr in die Wissenschaft haben k&#xF6;nnen. Aber wir sollten genauer hingucken und wir, die Wissenschaftler, sollten auch das Problem l&#xF6;sen. Das ist so eine Art Krankheit, die therapiert werden muss.&#xAB; Hoffentlich bald, denn: Wenn Wissenschaft ihre Glaubw&#xFC;rdigkeit verliert &#x2013; woran orientieren sich Gesellschaft und Politik dann?</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[»Ist das schlimm?« – Chatbots im Gesundheitsalltag]]></title><description><![CDATA[Vor- und Nachteile der Gesundheitsberatung per KI: Fachleute raten zu gezielter Aufklärung über sinnvolle Einsatzbereiche.]]></description><link>https://md-forum.de/ist-das-schlimm-chatbots-im-gesundheitsalltag/</link><guid isPermaLink="false">6a451d6e716ed9098eeab387</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Gesundheit]]></category><category><![CDATA[Patientensicherheit]]></category><dc:creator><![CDATA[Dr. Ulrike Gebhardt]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:07:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.13_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_Prostock-Studio.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.13_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_Prostock-Studio.jpg" alt="&#xBB;Ist das schlimm?&#xAB; &#x2013; Chatbots im Gesundheitsalltag"><p><em>Vor- und Nachteile der Gesundheitsberatung per KI: Fachleute raten zu gezielter Aufkl&#xE4;rung &#xFC;ber sinnvolle Einsatzbereiche.</em></p><p>Ein heftiges Ziehen im R&#xFC;cken, morgendlicher Schwindel, ein juckender Ausschlag am Handgelenk &#x2013; bei pl&#xF6;tzlichen Beschwerden ist das Smartphone schnell zur Hand, um die KI nach den m&#xF6;glichen Ursachen zu fragen: &#xBB;Was k&#xF6;nnte das sein?&#xAB;, &#xBB;Geht das wieder weg?&#xAB;, &#xBB;Muss ich damit zum Arzt?&#xAB;. Laut einer repr&#xE4;sentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom wenden sich bereits 45% der Menschen in Deutschland mit Gesundheitsfragen regelm&#xE4;&#xDF;ig an Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Copilot. </p><p>Wobei, so ganz genau l&#xE4;sst sich die Nutzungsfreude nicht messen: &#xBB;Prinzipiell explodiert die ChatbotNutzung derzeit&#xAB;, sagt Elena Link, Professorin f&#xFC;r Wissenschaftskommunikation am Institut f&#xFC;r Publizistik an der Johannes Gutenberg-Universit&#xE4;t Mainz. Deswegen sei es relativ schwierig zu sagen, wie weit verbreitet es tats&#xE4;chlich schon ist. </p><p>Die gr&#xF6;&#xDF;te Nutzergruppe sind aber offenbar junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren. Sch&#xE4;tzungsweise auch jede(r) F&#xFC;nfte der &#xFC;ber-65-J&#xE4;hrigen setzt in Gesundheitsfragen auf die KI.</p><h3 id="st%C3%A4ndig-verf%C3%BCgbar">St&#xE4;ndig verf&#xFC;gbar </h3><p>Ganz offensichtlich besteht ein Bedarf, den das Gesundheitssystem &#xFC;ber klassische Wege nicht bedienen kann. Arztpraxen sind telefonisch h&#xE4;ufig schwer zu erreichen, es gibt lange Wartezeiten, vor allem auf Facharzttermine, manche Praxen nehmen keine neuen Patientinnen und Patienten mehr auf. &#xBB;Chatbots stehen eigentlich 24/7 zur Verf&#xFC;gung, insbesondere auch au&#xDF;erhalb der Sprechstundenzeiten&#xAB;, wei&#xDF; Felix M&#xFC;hlensiepen, Leiter der Nachwuchsgruppe &#x203A;User Experience in Digital Health&#x2039;, Koordinator des Zentrums f&#xFC;r Versorgungsforschung an der Medizinischen Hochschule Brandenburg. </p><p>Rund 70% der Anfragen bei Chatbots erfolgten au&#xDF;erhalb der Sprechzeiten. Chatbots b&#xF6;ten Anonymit&#xE4;t und senkten die Hemmschwelle insbesondere, wenn es um sensible Themen wie psychische Erkrankungen, sexuelle Gesundheit oder Sucht gehe. Weitere Vorteile sehen Fachleute darin, dass Chatbots helfen k&#xF6;nnen, die Dringlichkeit von Beschwerden einzuordnen und im Idealfall die Gesundheitskompetenz der Bev&#xF6;lkerung verbessern. </p><h3 id="kein-ersatz-f%C3%BCr-den-arztbesuch">Kein Ersatz f&#xFC;r den Arztbesuch </h3><p>Dadurch, dass Chatbots in der Regel auf Informationen, die frei im Internet verf&#xFC;gbar sind, zur&#xFC;ckgreifen (nicht nur auf fachlich gepr&#xFC;fte, evidenzbasierte), kann die Qualit&#xE4;t der Antworten unterschiedlich ausfallen. Zudem geht es den Konzernen hinter der KI meist weniger um die Gesundheit der ratsuchenden Person, sondern vielmehr darum, Aufmerksamkeit, Zeit und Engagement m&#xF6;glichst vieler Menschen zu gewinnen. </p><p>Chatbots sind mit einer professionellen medizinischen Versorgung nicht vergleichbar und sie k&#xF6;nnen sie keinesfalls ersetzen. Es besteht zudem die Gefahr, sensible Gesundheitsdaten offenzulegen. Kerstin Denecke, Co-Leiterin des Instituts f&#xFC;r Patient-centered Digital Health, Berner Fachhochschule (BFH), Schweiz, nennt weitere Risiken: Der Arzt, die &#xC4;rztin gehe auf mich als Person ein, der KI dagegen fehle die Individualisierung. Das KI-Tool kenne mich nicht: &#xBB;Es kann zu gef&#xE4;hrlichen Selbstdiagnosen f&#xFC;hren, in die man sich dann hineinsteigern kann.&#xAB; Das k&#xF6;nne &#xC4;ngste ausl&#xF6;sen und notwendige Behandlungen verz&#xF6;gern. </p><h3 id="aus-vielf%C3%A4ltige-angeboten-sinnvolles-ausw%C3%A4hlen">Aus vielf&#xE4;ltige Angeboten Sinnvolles ausw&#xE4;hlen </h3><p>Aber: Chatbot ist nicht gleich Chatbot. Neben denjenigen, die gro&#xDF;e Techkonzerne entwickelt haben, gibt es inzwischen kleinere, spezialisierte, die z. B. auf die Initiative von Fach&#xE4;rzten oder Patientenorganisationen zur&#xFC;ckgehen, wie SuchtGPT oder LupusGPT &#x2013; Letzterer eine europaweite Initiative mit dem Ziel, ein sicheres, patientenorientiertes digitales Tool zu entwickeln, das Fragen zu dieser Autoimmunerkrankung pr&#xE4;zise beantwortet &#x2013; in einer f&#xFC;r Patienten verst&#xE4;ndlichen Sprache. </p><p>Was macht der Mensch aus den M&#xF6;glichkeiten, die die Technik bietet? Die Bev&#xF6;lkerung m&#xFC;sse besser aufgekl&#xE4;rt werden, fordert Elena Link &#x2013; f&#xFC;r welche Fragen welcher Chatbot gut funktioniert und bei welchen Fragen auch die KI nicht die passenden L&#xF6;sungen liefert.</p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/forum_02_26_Grafik.jpg" class="kg-image" alt="&#xBB;Ist das schlimm?&#xAB; &#x2013; Chatbots im Gesundheitsalltag" loading="lazy" width="2000" height="2667" srcset="https://md-forum.de/content/images/size/w600/2026/07/forum_02_26_Grafik.jpg 600w, https://md-forum.de/content/images/size/w1000/2026/07/forum_02_26_Grafik.jpg 1000w, https://md-forum.de/content/images/size/w1600/2026/07/forum_02_26_Grafik.jpg 1600w, https://md-forum.de/content/images/2026/07/forum_02_26_Grafik.jpg 2000w" sizes="(min-width: 720px) 720px"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xA9; de Jong Typografie</span></figcaption></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[KI in der medizinischen Praxis]]></title><description><![CDATA[Künstliche Intelligenz hält besonders dort Einzug, wo Bilder, Muster und große Datenmengen eine zentrale Rolle spielen – etwa in der Mammographie, Dermatologie oder Koloskopie. Doch ihr Nutzen entscheidet sich nicht im Labor, sondern im Versorgungsalltag.]]></description><link>https://md-forum.de/ki-in-der-medizinischen-praxis/</link><guid isPermaLink="false">6a45200d716ed9098eeab3a9</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesundheit]]></category><category><![CDATA[Patientensicherheit]]></category><dc:creator><![CDATA[Stefanie Roloff]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:06:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.6_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_halfbottle.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.6_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_halfbottle.jpg" alt="KI in der medizinischen Praxis"><p><em>K&#xFC;nstliche Intelligenz h&#xE4;lt besonders dort Einzug, wo Bilder, Muster und gro&#xDF;e Datenmengen eine zentrale Rolle spielen &#x2013; etwa in der Mammographie, Dermatologie oder Koloskopie. Doch ihr Nutzen entscheidet sich nicht im Labor, sondern im Versorgungsalltag.</em></p><p>Die Erwartungen an KI in der Medizin sind gro&#xDF;: Sie soll Befunde schneller erfassen, Auff&#xE4;lligkeiten zuverl&#xE4;ssiger erkennen und Fachkr&#xE4;fte entlasten. &#xBB;K&#xFC;nstliche Intelligenz ist zweifellos ein m&#xE4;chtiges Werkzeug, das das Potenzial hat, die Medizin in den kommenden Jahren zu revolutionieren&#xAB; &#x2013;, davon ist die Bundes&#xE4;rztekammer &#xFC;berzeugt. Da die Medizin bei der Integration von KI derzeit jedoch noch &#xBB;am Anfang einer aufregenden Reise&#xAB; stehe, m&#xFC;ssten ethische und technische Herausforderungen &#xBB;weiterhin sorgf&#xE4;ltig adressiert werden, um sicherzustellen, dass KI verantwortungsvoll und effektiv eingesetzt wird&#xAB;. Wie unterschiedlich diese Reise in der Praxis aussieht, zeigen aktuelle Beispiele.</p><h3 id="assistenz-bei-der-mammographie">Assistenz bei der Mammographie </h3><p>Beim Mammographie-Screening gilt in Deutschland normalerweise das Vier-Augen-Prinzip: Zwei unabh&#xE4;ngige fach&#xE4;rztliche Befundungen sollen die Sicherheit erh&#xF6;hen. In der PRAIM-Studie wurde gepr&#xFC;ft, wie eine Software diesen Ablauf unterst&#xFC;tzen kann. PRAIM steht f&#xFC;r &#x203A;Prospective, multicenter observational Study of an integrated AI System with live Monitoring&#x2039; &#x2013; also f&#xFC;r eine Beobachtungsstudie an mehreren Standorten, die den Einsatz eines KI-Systems im laufenden Screening begleitete. </p><p>Zwischen Juli 2021 und Februar 2023 wurden daf&#xFC;r&#xA0;an zw&#xF6;lf Screening-Standorten mehr als 460000 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren untersucht, unter anderem in Hannover, Wiesbaden und Steinfurt. </p><p>Die eingesetzte Software &#x203A;Vara&#x2039; unterst&#xFC;tzte die Befundung der digitalen Mammographie-Aufnahmen. Die Radiologinnen und Radiologen konnten selbst entscheiden, ob sie das KI-System nutzen wollten. Mithilfe der Software lag die Brustkrebserkennungsrate bei 6,7 F&#xE4;llen pro 1000 Frauen, beim klassischen Doppellesen bei 5,7. Die R&#xFC;ckrufrate, das hei&#xDF;t der Anteil der Frauen, die nach der Mammographie wegen eines auff&#xE4;lligen Befunds erneut zur Abkl&#xE4;rung eingeladen werden, stieg nicht an. Mittlerweile hat Vara eine CE-Zertifizierung f&#xFC;r die unabh&#xE4;ngige Zweitbefundung in der Mammographie erhalten. Das System wird inzwischen in mehr als 50% der deutschen Screening-Einheiten genutzt. Zugleich wird der Einsatz schrittweise auf weitere Zentren in Europa ausgeweitet.</p><h3 id="vorsortieren-bei-hautver%C3%A4nderungen">Vorsortieren bei Hautver&#xE4;nderungen </h3><p>Auch in der Dermatologie wird digitale Unterst&#xFC;tzung erprobt. Ein Beispiel ist &#x203A;Deep Ensemble for Recognition of Malignancy&#x2039;, kurz DERM, des Unternehmens Skin Analytics. Das System wird im britischen National Health Service (NHS) in tele-dermatologischen Angeboten zur Einsch&#xE4;tzung verd&#xE4;chtiger Hautver&#xE4;nderungen genutzt. Das &#x203A;National Institute for Health and Care Excellence&#x2039; (NICE) empfiehlt DERM seit Mai 2025 bedingt f&#xFC;r den NHS &#x2013; zun&#xE4;chst f&#xFC;r drei Jahre, w&#xE4;hrend weitere Daten erhoben werden. </p><p>Von der auff&#xE4;lligen Hautstelle werden dabei vergr&#xF6;&#xDF;erte Aufnahmen mit Smartphone und Dermatoskop-Aufsatz erstellt und digital ausgewertet. Wird eine L&#xE4;sion als gutartig eingestuft, kann sie aus dem dringenden Hautkrebs-Pfad herausgenommen werden. Bei Verdacht auf Krebs oder Vorstufen folgt die Pr&#xFC;fung durch eine Dermatologin oder einen Dermatologen. Getestet wurde das Verfahren unter anderem im Londoner Chelsea and Westminster Hospital NHS Foundation Trust. NICE empfiehlt w&#xE4;hrend der weiteren Erprobung bei schwarzer oder brauner Hautfarbe eine zus&#xE4;tzliche fachliche Pr&#xFC;fung, weil DERM bislang vor allem bei heller Haut untersucht wurde und f&#xFC;r andere Hautt&#xF6;ne weniger Daten vorliegen. </p><p>In Deutschland gibt es ebenfalls Ans&#xE4;tze: Die M&#xFC;nchen Klinik nutzt KI-gest&#xFC;tzte Verfahren in der Hautkrebsdiagnostik, etwa einen 3D-Ganzk&#xF6;rperscanner zur Fr&#xFC;herkennung. Am Deutschen Krebsforschungszentrum entwickelte ein Team um den Hautarzt und Wissenschaftler Titus Brinker ein sogenanntes erkl&#xE4;rbares KI-System f&#xFC;r die Melanomdiagnostik. Gemeint ist eine Software, die nicht nur eine Einsch&#xE4;tzung abgibt, sondern auch zeigt, welche Merkmale einer Hautver&#xE4;nderung daf&#xFC;r ausschlaggebend waren. </p><h3 id="unterst%C3%BCtzung-bei-der-darmspiegelung">Unterst&#xFC;tzung bei der Darmspiegelung </h3><p>Bei der Koloskopie kann digitale Unterst&#xFC;tzung direkt w&#xE4;hrend der Untersuchung ansetzen. Ein Beispiel ist &#x203A;CADDIE&#x2039; des Medizintechnikunternehmens Olympus &#x2013; eine cloudbasierte Anwendung, die m&#xF6;gliche Polypen in Echtzeit erkennt. Daf&#xFC;r wertet die Software das laufende Videobild aus und markiert verd&#xE4;chtige Bereiche. </p><p>In der EAGLE-Studie von 2025, die f&#xFC;r &#x203A;Evaluation of AI for Detection of Gastrointestinal Lesions in Endoscopy&#x2039; steht, wurde CADDIE an acht Zentren in vier europ&#xE4;ischen L&#xE4;ndern gepr&#xFC;ft, in Deutschland am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin. Die prim&#xE4;re Analyse umfasste insgesamt 841 Patientinnen und Patienten. Mit der Software lag die Adenom-Erkennungsrate um 7,3 Prozentpunkte h&#xF6;her als bei der Standardkoloskopie. </p><p>Besonders relevant war die Erkennung schwer sichtbarer Befunde. Mit CADDIE wurden mehr gro&#xDF;e und flach wachsende Adenome entdeckt, gutartige Ver&#xE4;nderungen der Darmschleimhaut, aus denen sich Krebs entwickeln kann. Die &#xE4;rztliche Bewertung ersetzt die Software jedoch nicht. Ob tats&#xE4;chlich ein Polyp vorliegt und welche Schritte folgen, entscheidet weiterhin das Endoskopie-Team. </p><h3 id="digitale-pathologie">Digitale Pathologie </h3><p>In der Pathologie werden Gewebeproben, z.B. zur Krebsdiagnostik, bislang vor allem am Mikroskop beurteilt. F&#xFC;r KI-gest&#xFC;tzte Assistenzsysteme reicht das nicht aus: Die Proben m&#xFC;ssen zuerst als digitale Bilder vorliegen, um ausgewertet werden zu k&#xF6;nnen. Daf&#xFC;r werden Gewebeschnitte mit Gro&#xDF;scannern erfasst und digitalisiert. </p><p>Diesen Schritt setzte das Projekt DIGIPAT am Institut f&#xFC;r Pathologie des Universit&#xE4;tsklinikums Carl Gustav Carus Dresden in den Jahren 2024 und 2025 um. F&#xFC;r den KI-Einsatz ist das eine Zwischenstufe: Auf der neu geschaffenen digitalen Infrastruktur k&#xF6;nnen KI-gest&#xFC;tzte Assistenzsysteme f&#xFC;r die Routinediagnostik aufsetzen. </p><h3 id="molekulare-krebsdiagnostik">Molekulare Krebsdiagnostik </h3><p>Ein Beispiel aus Heidelberg zeigt, dass auch molekulare Daten f&#xFC;r die Diagnostik genutzt werden k&#xF6;nnen: Der &#x203A;Heidelberg CNS Tumor Methylation Classifier&#x2039; unterst&#xFC;tzt die Einordnung von Tumoren des zentralen Nervensystems. CNS steht f&#xFC;r &#x203A;Central Nervous System&#x2039; &#x2013; Gehirn und R&#xFC;ckenmark.</p><p>Das Verfahren analysiert DNA-Methylierungsmuster, winzige chemische Ver&#xE4;nderungen am Erbgut, die je nach Tumorart unterschiedlich ausfallen. Daraus entsteht ein molekulares Profil, das hilft, Hirntumoren genauer zu klassifizieren. Das ist wichtig, weil die exakte Diagnose Einfluss auf Prognose und Therapieplanung haben kann. &#xBB;Diese epigenetischen Spuren sind wie ein molekularer Fingerabdruck und erlauben eine eindeutige Zuordnung von Tumoren des zentralen Nervensystems&#xAB;, so Prof. Dr. Dr.Felix Sahm, einer der leitenden Forscher. </p><p>Entwickelt wurde der Classifier in Heidelberg, unter anderem am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg, am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), an der Universit&#xE4;t Heidelberg und am Universit&#xE4;tsklinikum Heidelberg. Laut DKFZ wurden &#xFC;ber die Plattform inzwischen mehr als 160000 Hirntumorproben aus allen Kontinenten analysiert. Im Jahr 2025 berichtete das Forschungszentrum &#xFC;ber eine neue Version, die mehr als 180 Tumorarten erkennen kann. Das Verfahren erg&#xE4;nzt die klassische Gewebeuntersuchung um molekulare Informationen und liefert zu jedem Ergebnis eine Wahrscheinlichkeitsbewertung. </p><h3 id="werkzeug-mit-pr%C3%BCfauftrag">Werkzeug mit Pr&#xFC;fauftrag </h3><p>Die Beispiele zeigen, wie breit das Feld der KI-Einbindung in die Medizin bereits ist. In Summe werde deutlich, &#xBB;dass KI die &#xE4;rztliche Praxis sowie das ArztPatient-Verh&#xE4;ltnis ma&#xDF;geblich ver&#xE4;ndern kann und wird&#xAB;, hei&#xDF;t es aus der Bundes&#xE4;rztekammer. Die &#xC4;rzteschaft solle das Thema daher &#xBB;intensiv begleiten, die Chancen ergreifen und sich den Herausforderungen stellen, wenn sie die Entwicklungen in ihrem Sinne und zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten mitgestalten m&#xF6;chte&#xAB;</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[»Nicht alles, aber vieles ist längst möglich«]]></title><description><![CDATA[Werden Maschinen und Algorithmen künftig eine zentrale Rolle in der Versorgung Pflegebedürftiger spielen? Viele Menschen reagieren nachdenklich, wenn sie an die Möglichkeiten von KI in der Pflege denken.]]></description><link>https://md-forum.de/nicht-alles-aber-vieles-ist-langst-moglich/</link><guid isPermaLink="false">6a452230716ed9098eeab3d8</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Pflege]]></category><dc:creator><![CDATA[Christian Beneker]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:05:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.16_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_AndreyPopov.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.16_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_AndreyPopov.jpg" alt="&#xBB;Nicht alles, aber vieles ist l&#xE4;ngst m&#xF6;glich&#xAB;"><p><em>Werden Maschinen und Algorithmen k&#xFC;nftig eine zentrale Rolle in der Versorgung Pflegebed&#xFC;rftiger spielen? Viele Menschen reagieren nachdenklich, wenn sie an die M&#xF6;glichkeiten von KI in der Pflege denken.</em></p><p>Manfred Ensen ist Heimleiter des Seniorenpflegeheims &#x203A;Haus Friede&#x2039; im nieders&#xE4;chsischen Leer und eigentlich ein technikaffiner Mensch, wie er sagt. &#xBB;Aber wenn ich die Entwicklung von KI in der Pflege betrachte, dann sehe ich einen gewissen Wandel: Die Einsamkeit wird stetig zunehmen.&#xAB; Er sagt das, nachdem er im Januar den humanoiden KI-Roboter namens Ameca in seinem Haus einer Gruppe von Seniorinnen und Senioren vorstellte. Die Oldenburger Firma Offis wollte testen, ob die Bewohnerinnen und Bewohner den Roboter akzeptieren. Ameca winkt, spricht, merkt sich Namen, kann sogar der Seniorenrunde ein paar Sitzgymnastik&#xDC;bungen vorturnen &#x2013; und die Bewohner aus dem &#x203A;Haus Friede&#x2039; &#xBB;haben alle ohne Wenn und Aber mitgemacht&#xAB;, berichtet Ensen. Kurz: Die Bewohnerinnen und Bewohner haben Ameca weitgehend akzeptiert. </p><h3 id="zuwendung-simulieren">Zuwendung simulieren? </h3><p>Aber noch hat der Einsatz von KI-gesteuerten Robotern im Pflegeheim seine Grenzen. Sie k&#xF6;nnten zwar auf Zuruf die Jalousien rauf- und runterfahren oder das Licht dimmen. &#xBB;Alles das ist heute schon m&#xF6;glich. Aber es gibt noch keine wirklich hilfreichen Roboter, die einen Pflegebed&#xFC;rftigen betten oder waschen k&#xF6;nnten&#xAB;, meint Ensen. Doch in zehn Jahren werden Roboter im Einsatz sein, die zwar nicht die Bewohnerinnen und Bewohner waschen, aber die eine Art Zuwendung simulieren k&#xF6;nnen, nach Art des Roboters Ameca.</p><blockquote>Auf jeden Fall d&#xFC;rfte KI in der Pflege bald eine pr&#xE4;gendere Rolle spielen.</blockquote><p>Auf jeden Fall d&#xFC;rfte KI in der Pflege bald eine pr&#xE4;gendere Rolle spielen. So l&#xE4;sst sich z. B. mithilfe von Algorithmen das individuelle Risiko eines Delirs bei &#xE4;lteren Menschen im Pflegeheim bestimmen. &#xBB;Delire geh&#xF6;ren zu den h&#xE4;ufigsten Komplikationen in der Ver&#xAD;sorgung von Seniorinnen und Senioren. Verwirrung, Stress, verl&#xE4;ngerte Krankenhausaufenthalte sind die Folgen. Es sei denn, man k&#xF6;nnte das Delirrisiko besser vorhersagen und mit diesem Wissen die Folgen lindern&#xAB;, sagt Gesundheitswissenschaftler Sven Ziegler von der Uniklinik Freiburg. Er hat das Projekt KIDELIR mitinitiiert. </p><h3 id="algorithmen-errechnen-das-risiko-f%C3%BCr-delire">Algorithmen errechnen das Risiko f&#xFC;r Delire </h3><p>Dabei haben die Initiatoren aus mehr als 1 Mio. station&#xE4;ren F&#xE4;llen die Diagnosen, Labor- und Vitalparameter, die Medikation und viele weitere Patientendaten herangezogen und &#xBB;einen Algorithmus trainiert&#xAB;, wie Ziegler sagt, &#xBB;einen Algorithmus, der am Schluss eine verl&#xE4;ssliche individuelle Risikoeinsch&#xE4;tzung f&#xFC;r einen Bewohner zul&#xE4;sst.&#xAB; </p><p>Doch ebenso wie bei Ameca steht auch bei den KIErgebnissen der Algorithmen die menschliche Dimension infrage. &#xBB;KI ist ja sch&#xF6;n und gut&#xAB;, sagt Ziegler &#xFC;ber das Projekt KIDELIR, &#xBB;aber die Ergebnisse m&#xFC;ssen ja auch plausibel sein. Deshalb haben wir die Einsch&#xE4;tzung der KI kombiniert mit dem pers&#xF6;nlichen Know-how von Pflegenden und Medizinern, mit ihnen Workshops gemacht und Ergebnisse diskutiert.&#xAB; So sollen durch KI nicht Algorithmen und Maschinen die Macht &#xFC;bernehmen, sondern den Pflegenden und Medizinern assistieren.</p><hr><h2 id="interview-mit-prof-dr-giovanni-maio">Interview mit Prof. Dr. Giovanni Maio</h2><p><em>Giovanni Maio ist Mediziner, Philosoph und Universit&#xE4;tsprofessor f&#xFC;r Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universit&#xE4;t in Freiburg. Wie sch&#xE4;tzt er die Grenzen von KI in der Pflege ein?</em></p><figure class="kg-card kg-image-card kg-card-hascaption"><img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Maio--Giovanni---Oliver-Lieber_frei.jpg" class="kg-image" alt="&#xBB;Nicht alles, aber vieles ist l&#xE4;ngst m&#xF6;glich&#xAB;" loading="lazy" width="2000" height="1335" srcset="https://md-forum.de/content/images/size/w600/2026/07/Maio--Giovanni---Oliver-Lieber_frei.jpg 600w, https://md-forum.de/content/images/size/w1000/2026/07/Maio--Giovanni---Oliver-Lieber_frei.jpg 1000w, https://md-forum.de/content/images/size/w1600/2026/07/Maio--Giovanni---Oliver-Lieber_frei.jpg 1600w, https://md-forum.de/content/images/2026/07/Maio--Giovanni---Oliver-Lieber_frei.jpg 2000w" sizes="(min-width: 720px) 720px"><figcaption><span style="white-space: pre-wrap;">&#xA9; Oliver Lieber</span></figcaption></figure><h3 id="es-kann-verst%C3%B6rend-sein-wenn-%C3%A4ltere-menschen-mit-einem-durch-ki-lernenden-roboter-sprechen-er-redet-die-senioren-mit-namen-an-kennt-z-b-deren-lieblingsspeise-oder-wei%C3%9F-um-ihre-hobbys-und-bietet-passende-bewegungsspiele-an-was-geschieht-da">Es kann&#xA0;verst&#xF6;rend sein, wenn &#xE4;ltere Menschen mit einem durch KI lernenden Roboter sprechen. Er redet die Senioren mit Namen an, kennt z. B. deren Lieblingsspeise oder wei&#xDF; um ihre Hobbys und bietet passende Bewegungsspiele an. Was geschieht da? </h3><p>Solche sozialen Roboter, wie sie sehr vereinfacht bezeichnet&#xA0;werden, k&#xF6;nnen gute Gef&#xFC;hle ausl&#xF6;sen, etwa bei Demenzpatienten. Aber es gibt eine Schattenseite: Die Patienten realisieren nicht, dass sie es mit einer Maschine zu tun haben, dass sie get&#xE4;uscht werden, dass der Roboter Gef&#xFC;hle simuliert, ohne Gef&#xFC;hle zu haben. </p><h3 id="k%C3%B6nnte-man-nicht-sagen-solange-die-t%C3%A4uschung-h%C3%A4lt-ist-alles-gut-die-senioren-irren-sich-zwar-aber-sie-w%C3%A4ren-im-irrtum-gl%C3%BCcklich">K&#xF6;nnte man nicht sagen: Solange die T&#xE4;uschung h&#xE4;lt, ist alles gut? Die Senioren irren sich zwar. Aber sie w&#xE4;ren im Irrtum gl&#xFC;cklich. </h3><p>Das Tragische ist die reale Asymmetrie. Es ist ja erwiesen, dass die alten Menschen eine Beziehung zu den Robotern aufbauen,&#xA0;obwohl das Ger&#xE4;t nichts empfindet, keine Bindung kennt und nichts wirklich versteht. Da werden alte Menschen den Maschinen &#xFC;berlassen und bleiben doch letztlich sozial mutterseelenallein. Denn die Roboter sind des Sozialen nicht f&#xE4;hig! Sie verstehen nicht Einsamkeit noch Freude. Statt ihm die Seniorenheimbewohner auszuliefern, sollte man Methoden entwickeln, die es erm&#xF6;glichen, untereinander in sozialem Kontakt zu bleiben. Sonst droht die Entmenschlichung der Pflege. </p><h3 id="ist-das-eine-frage-der-w%C3%BCrde">Ist das eine Frage der W&#xFC;rde? </h3><p>So ist es. Wenn man die Menschen mit Robotern t&#xE4;uscht, dann&#xA0;werden sie wie Objekte behandelt. Und damit berauben wir sie ihrer W&#xFC;rde. Wie werden wir dann noch der Unverwechselbarkeit des Menschen gerecht? Gar nicht. Verst&#xE4;ndnis oder eine zwischenmenschlich sorgende Haltung liegen den Maschinen fern. Sie folgen nur den Algorithmen. </p><h3 id="wo-w%C3%A4re-denn-der-einsatz-von-ki-dagegen-sinnvoll">Wo w&#xE4;re denn der Einsatz von KI dagegen sinnvoll? </h3><p>Ein Forschungsprojekt hat z. B. viele Patientendaten ausgewertet und sie &#xFC;ber einen Algorithmus auf Anzeichen eines Delirs analysiert. So kann KI helfen, Delirrisiken bei Pflegepatienten zu ermitteln. Nat&#xFC;rlich k&#xF6;nnen wir &#xFC;ber KI z. B. Prognosen erstellen, die treffsicherer sind als herk&#xF6;mmliche Verfahren. Und dort sollte man KI auch anwenden. Allerdings, auch hier gibt es Schattenseiten: Die Pflegekr&#xE4;fte und &#xC4;rzte nutzen dann wom&#xF6;glich immer h&#xE4;ufiger KI-generierte Erkenntnisse und nehmen die eigene Urteilskraft, das eigene Erfahrungswissen gar nicht mehr in Anspruch. Um ein Gesamtbild zu bekommen, braucht es also beides: Das Wissen aus KI und das Erfahrungswissen der Medizin und Pflege. Diesen&#xA0;Zusammenhang darf man nicht kleinreden! Denn Studien haben ergeben, dass 76% der befragten &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte sich bei der Medikation an die Empfehlungen der KI gehalten haben und nicht an die Therapieoption, die sie selbst gew&#xE4;hlt haben.</p><h3 id="wer-tr%C3%A4gt-bei-ki-gest%C3%BCtzten-entscheidungen-die-verantwortung">Wer tr&#xE4;gt bei KI-gest&#xFC;tzten Entscheidungen die Verantwortung? </h3><p>Ich w&#xFC;rde sagen, wir sind im Zusammenhang mit KI in der Medizin und Pflege regelrecht euphorisiert. Es gibt so eine Art H&#xF6;rigkeit &#x2013; letztlich, um die eigene Verantwortung f&#xFC;r die getroffenen Entscheidungen zu umgehen. Man verl&#xE4;sst sich auf KI, um nicht belangt werden zu k&#xF6;nnen. Was im Versorgungsalltag bleibt, ist eine grunds&#xE4;tzliche&#xA0;Verantwortungsdiffusion. Ich meine aber, Pflege und Medizin m&#xFC;ssen unbedingt verantwortlich bleiben! </p><h3 id="ki-%E2%80%93-das-bedeutet-dass-maschinen-menschlich-erscheinen-k%C3%B6nnen-werden-umgekehrt-menschen-durch-ki-zu-maschinen">KI &#x2013; das bedeutet, dass Maschinen menschlich erscheinen k&#xF6;nnen. Werden umgekehrt Menschen durch KI zu Maschinen? </h3><p>Einerseits erleben wir eine Tendenz zur Vermenschlichung der Maschinen. Wir unterlegen diese Maschinen ja nur zu gerne mit Begriffen, die eigentlich Menschen vorbehalten sind, z. B. sozial, freundlich, sicher, unerm&#xFC;dlich. Zugleich neigen wir dazu, das, was der Mensch z. B. in der&#xA0;Medizin leistet, auf das rein Mechanische, Verrichtende zu reduzieren. Neben der Vermenschlichung der Maschine erleben wir somit eine Mechanisierung menschlicher Leistungen und &#xFC;bersehen, dass beide Vorannahmen falsch sind. Solange wir aber diesen Fehlannahmen aufsitzen, werden immer wieder Stimmen laut, die sagen: Was die Pflege kann, kann die KI auch. Dabei ist das, was die&#xA0;Pflegekr&#xE4;fte k&#xF6;nnen, viel mehr als das Mechanische: Sie k&#xF6;nnen sich einf&#xFC;hlen, Erfahrungen sammeln, intuitiv vorgehen und sich ein Gesamtbild der Pflegepatienten verschaffen. Das ist Beziehungsarbeit, wie sie nur Menschen tun k&#xF6;nnen. Sie haben emotionale Intelligenz, soziale Intelligenz und damit eine lebensweltliche Probleml&#xF6;sungsintelligenz. All diese Intelligenzformen hat die KI nicht. Die KI kann besser rechnen als der Mensch, aber am Ende versteht sie nicht, was sie rechnet, und das macht sie zu einem blo&#xDF;en Hilfsmittel und nicht zum letztg&#xFC;ltigen Probleml&#xF6;ser: Denn das kann nur der Mensch.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gigantischer Hunger nach Strom]]></title><description><![CDATA[Immer mehr Rechenzentren mit gigantischen Rechnerleistungen benötigen immer mehr Strom und Wasser, erhöhen den CO2-Ausstoß und belasten die Umwelt.]]></description><link>https://md-forum.de/gigantischer-hunger-nach-strom/</link><guid isPermaLink="false">6a4523e6716ed9098eeab40f</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesellschaft]]></category><dc:creator><![CDATA[Otmar Müller]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:04:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.18_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_PaulPaladin.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.18_-c-deJongTypografie-istockphoto.com_PaulPaladin.jpg" alt="Gigantischer Hunger nach Strom"><p><em>Immer mehr Rechenzentren mit gigantischen Rechnerleistungen ben&#xF6;tigen immer mehr Strom und Wasser, erh&#xF6;hen den CO2-Aussto&#xDF; und belasten die Umwelt.</em></p><p>Wohl kaum ein anderer Industriezweig w&#xE4;chst so dynamisch wie die K&#xFC;nstliche Intelligenz (KI). Mit der immensen Ausweitung der KIRechenkapazit&#xE4;ten steigt der Energiebedarf. Allein um ein KI-Modell wie ChatGPT zu trainieren, wird laut Bundeswirtschaftsministerium etwa so viel Strom ben&#xF6;tigt wie f&#xFC;r eine Gro&#xDF;stadt. Der Grund: Riesige Datenmengen und Informationen m&#xFC;ssen verarbeitet werden und brauchen dazu leistungsstarke Grafikprozessoren, sogenannte GPU. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentren f&#xFC;r die Server und deren K&#xFC;hlung in den n&#xE4;chsten f&#xFC;nf Jahren auf rund 945 Terawattstunden steigern und somit mehr als verdoppeln wird. In Europa k&#xF6;nnte er sich fast verdreifachen, sch&#xE4;tzt die Unternehmensberatung McKinsey.</p><h3 id="mehr-co2-trotz-%C3%B6kostroms">Mehr CO2 trotz &#xD6;kostroms </h3><p>Mit dem Ausbau von Rechenzentren verbunden ist nach Berechnungen des renommierten Freiburger &#xD6;koinstituts ein Anstieg der Treibhausgas-Emissionen von Rechenzentren von 212 Mio. Tonnen im Jahr 2023 auf 355 Mio. Tonnen im Jahr 2030 &#x2013; trotz des angenommenen Ausbaus von erneuerbaren Energien zur Stromproduktion. Und der hohe Strombedarf mit entsprechendem CO2-Aussto&#xDF; ist nicht die einzige Auswirkung auf unsere Umwelt. Weitere Belastungen entstehen durch den hohen Wasserbedarf f&#xFC;r die K&#xFC;hlung der Rechenzentren, der sich auf 664 Mrd.Liter nahezu vervierfachen soll. Hinzu k&#xE4;men gro&#xDF;e Mengen anfallender Elektronikschrott sowie ein hoher Ressourcenbedarf an Stahl und anderen umweltproblematischen Rohstoffen. Laut Greenpeace k&#xF6;nnten allein die KI&#x2011;Rechenzentren 2030 fast die H&#xE4;lfte aller Rechenzentrums&#x2011;Emissionen weltweit verursachen. KI steht somit f&#xFC;r ein paradoxes Ph&#xE4;nomen: Nicht zu unrecht wird sie als wichtiges Werkzeug f&#xFC;r mehr Energieeffizienz in allen Sparten der Wirtschaft beworben. Gleichzeitig macht allerdings ihr eigener Ressourcenbedarf m&#xF6;gliche Einsparungen nicht nur zunichte, sondern &#xFC;bersteigt diese zumindest kurz- und mittelfristig (Rebound-Effekt). </p><p>Neben den Auswirkungen auf die Umwelt hat der erh&#xF6;hte Strombedarf auch direkte gesundheitliche Auswirkungen. Denn die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Gas verunreinigt die Luft und sorgt f&#xFC;r mehr Feinstaub und erh&#xF6;hte Schwefel- und Stickstoffdioxid-Werte. Vor allem die Kombination dieser Luftschadstoffe stellt ein erhebliches Risiko f&#xFC;r die menschliche Gesundheit dar. Feinstaub kann tief in den K&#xF6;rper gelangen und dort verschiedene Organe beeintr&#xE4;chtigen. Untersuchungen zeigen, dass bereits ein kurzfristiger Anstieg der Feinstaubbelastung innerhalb der folgenden 24 Stunden mit einer Zunahme von Schlaganf&#xE4;llen und Herzinfarkten verbunden ist.</p><h3 id="bundesregierung-plant-deregulierung">Bundesregierung plant Deregulierung </h3><p>Deutschland ist derzeit der gr&#xF6;&#xDF;te Standort f&#xFC;r Rechenzentren in Europa. Bundesweit hat sich die Rechenzentren-Kapazit&#xE4;t mit &#xFC;ber 2730 Megawatt (MW) allein im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Bis 2030 wird ein weiter beschleunigtes Wachstum auf &#xFC;ber 4800 MW erwartet, so ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums. Um die Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen, hatte die Ampelregierung 2023 mit dem Energieeffizienzgesetz f&#xFC;r den Neubau von Rechenzentren strikte Vorgaben etwa in Bezug auf die Energieeffizienz oder die Nutzung der Abw&#xE4;rme gemacht. Aktuell plant die schwarz-rote Bundesregierung eine Novelle dieses Gesetzes. Ziel ist es, b&#xFC;rokratische H&#xFC;rden und nationale Sonderwege abzubauen. Umweltverb&#xE4;nde kritisieren das geplante Gesetz als industriefreundlich, weil es die bisherigen strengen Vorgaben zur Energieeffizienz solcher Anlagen sowie die Pflicht zur Vermeidung und Nutzung von Abw&#xE4;rme deutlich aufweicht.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gesundheitsreformen gewinnen Kontur]]></title><description><![CDATA[Im ersten Halbjahr 2026 hat das BMG etliche Gesetz- und Referentenentwürfe vorgelegt, die dem Muster folgen, Qualität und Effizienz der Versorgung zu verbessern, den Zugang zu Leistungen zu sichern und dafür die Digitalisierung konsequent zu nutzen.]]></description><link>https://md-forum.de/gesundheitsreformen-gewinnen-kontur/</link><guid isPermaLink="false">6a452719716ed9098eeab42c</guid><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Krankenhaus]]></category><dc:creator><![CDATA[Helmut Laschet]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:03:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/iStock-1418911346.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/iStock-1418911346.jpg" alt="Gesundheitsreformen gewinnen Kontur"><p><em>Gut ein Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung nehmen die dringend notwendigen Gesundheitsreformen Gestalt an. Im ersten Halbjahr 2026 hat das Bundesgesundheitsministerium etliche Gesetz- und Referentenentw&#xFC;rfe vorgelegt, die dem Muster folgen, Qualit&#xE4;t und Effizienz der Versorgung zu verbessern, den Zugang zu Leistungen zu sichern, dies aber auch stringenter zu reglementieren und daf&#xFC;r die Digitalisierung konsequent zu nutzen.</em></p><p>Seit Jahresbeginn wird offensichtlich, dass das Bundesgesundheitsministerium unter der Leitung von Nina Warken in den Monaten zuvor hart an Reformpl&#xE4;nen gearbeitet hat, und zwar ziemlich ger&#xE4;uschlos. Als Erstes wurde die Krankenhausreform aufgeschn&#xFC;rt und mit den L&#xE4;ndern neu verhandelt. Das Grundkonzept, das auf Konzentration und Spezialisierung der k&#xFC;nftigen Klinikstandorte abzielt, blieb, wurde aber in der Umsetzung f&#xFC;r die L&#xE4;nder aufgrund von mehr (zeitlich begrenzten) Ausnahmen erleichtert. Das Anpassungsgesetz ist beschlossen und wird von den L&#xE4;ndern umgesetzt.</p><h3 id="erste-effekte-der-klinikreform-werden-sichtbar">Erste Effekte der Klinikreform werden sichtbar </h3><p>Am weitesten ist Nordrhein-Westfalen, das bereits vor dem Bund eine landeseigene Klinikreform gestartet hat; sie ist mit der Einf&#xFC;hrung von 60 Leistungsgruppen in Kombination mit spezifischen Strukturvorgaben zur Blaupause f&#xFC;r alle L&#xE4;nder geworden. Die ersten positiven Wirkungen sind sichtbar, wie aus dem im Mai ver&#xF6;ffentlichten KrankenhausReport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervorgeht. Bei den Leistungen der Spezialversorgung wie der Orthop&#xE4;die, der Gef&#xE4;&#xDF;chirurgie oder der Krebschirurgie wurde die Zahl der operierenden Krankenhaus-Standorte um rund die H&#xE4;lfte auf 137 reduziert. Nur diese Kliniken werden noch die vorgesehene&#xA0;Vorhalteverg&#xFC;tung erhalten. Der Spezialisierungseffekt k&#xF6;nnte die Ergebnisqualit&#xE4;t erheblich verbessern: So wurden im zweiten Quartal 2025 insgesamt 3% der F&#xE4;lle an Standorten ohne Zuweisung einer Leistungsgruppe operiert, w&#xE4;hrend es 2023 noch 17% waren. </p><p>Ungewiss bleibt, ob mit der Krankenhausreform ein anderes Effizienzpotenzial erschlossen werden kann: die Ambulantisierung. Von den im Jahr 2024 abgerechneten 15,2 Mio. Krankenhausf&#xE4;llen k&#xF6;nnten laut WIdO 8,6 Mio. F&#xE4;lle auch ambulant erbracht werden &#x2013; oder sie w&#xE4;ren teils sogar vermeidbar. Damit w&#xFC;rde die Zahl der Belegungstage der Klinikstationen um 42%, die Kosten f&#xFC;r station&#xE4;re Versorgung k&#xF6;nnten um 39% sinken. Nat&#xFC;rlich m&#xFC;ssten die ambulanten Leistungen verg&#xFC;tet werden &#x2013; aber erheblich g&#xFC;nstiger, weil der &#xBB;teure Bedarf der Rund-um-die Uhr-Betreuung entf&#xE4;llt&#xAB;, so Studienautor David Scheller-Kreinsen. Daten aus Nordrhein-Westfalen zeigen laut WIdO allerdings (noch?) keinen solchen Effekt aufgrund der Krankenhausreform.</p><h3 id="spargesetz-druck-auf-kostenstrukturen">Spargesetz: Druck auf Kostenstrukturen </h3><p>Ein erheblicher Druck in diese Richtung k&#xF6;nnte von dem Ende April durch das Bundeskabinett beschlossene Gesetz zur Beitragssatzstabilisierung in der GKV ausgehen. Zwei Ma&#xDF;nahmen treffen die Kliniken besonders hart: erstens die generelle Begrenzung des Ausgabenanstiegs auf die Ver&#xE4;nderung der Grundlohnrate (2027 bis 2029 jeweils vermindert um einen Prozentpunkt), zweitens durch die Abschaffung der vollen Refinanzierung der Pflegepersonalkosten durch eine Begrenzung der Zuw&#xE4;chse des Pflegebudgets auf das Wachstum der Grundlohnrate minus ein Prozent 2027 bis 2029. Ausgabenanstiege von 10% auf gesch&#xE4;tzt 111 Mrd. Euro wie in diesem Jahr oder aktuelle Forderungen nach einer Erh&#xF6;hung des Pflegebudgets um 12% w&#xE4;ren danach nicht mehr durchsetzbar. Die Krankenh&#xE4;user, ihre Tr&#xE4;ger, aber auch die L&#xE4;nder als Planungsverantwortliche stehen damit vor der Wahl: Sie reformieren Leistungs- und Kostenstrukturen durchgreifend &#x2013; oder sie riskieren ruin&#xF6;se Verluste. Bei unver&#xE4;nderten Produktions- und Kostenstrukturen, so haben die Gesundheits&#xF6;konomen Boris Augurzky und Henrik Bergschneider vom Institut for Health Care Business errechnet, f&#xFC;hrt das Spargesetz dazu, dass der Anteil der Kliniken mit Verlust von derzeit 29 auf 67% im n&#xE4;chsten Jahr und 2030 sogar auf 80% steigt. Die Minus-Umsatzrendite w&#xFC;rde dann 6% betragen, das w&#xE4;re f&#xFC;r die Tr&#xE4;ger nicht mehr kompensierbar.</p><h3 id="steuerung-statt-beliebigkeit">Steuerung statt Beliebigkeit </h3><p>Andere Reformgesetze wie die f&#xFC;r die Notfallversorgung, digitale Innovationen und f&#xFC;r das Prim&#xE4;rversorgungssystem &#x2013; setzen beim Zugang zu Gesundheitsleistungen an. Das Ziel ist, die in Deutschland traditionelle Beliebigkeit des Zugangs zu praktisch jeder Versorgungsebene nach Bedarf und Dringlichkeit zu steuern, insbesondere auch, um knappe Ressourcen zu schonen und den Zugang zur Versorgung zu sichern. </p><p>Die Notfallreform beseitigt Fehlanreize und&#xA0;Versorgungsl&#xFC;cken, die dazu gef&#xFC;hrt haben, dass Patientinnen und Patienten unn&#xF6;tig station&#xE4;r im Krankenhaus aufgenommen werden. Dazu werden die hinter den Rufnummern 112 und 116 117 stehenden Dienste miteinander verkn&#xFC;pft, Leitstellen geschaffen, einheitliche digital unterst&#xFC;tzte Ersteinsch&#xE4;tzungsinstrumente und der Rettungseinsatz sowie die durch ihn erbrachten &#xE4;rztlichen Behandlungsma&#xDF;nahmen eine GKV-Leistung. Damit wird vermieden, dass Betroffene unn&#xF6;tig ins Krankenhaus transportiert und dort aufgenommen werden, weil nur dann der Einsatz des Rettungsdienstes von den Kassen bezahlt wird. An Kliniken, die zur Notfallversorgung geeignet sind, werden integrierte Notfallzentren mit einem gemeinsamen Tresen von Klinik- und Vertrags&#xE4;rzten eingerichtet, die &#xFC;ber Notwendigkeit, Dringlichkeit und Art der Versorgung entscheiden. </p><p>Das geplante Prim&#xE4;rversorgungssystem &#x2013; eine Konzeption soll bis zur Sommerpause des Bundestages vorliegen &#x2013; beschr&#xE4;nkt den Zugang zu den meisten Fach&#xE4;rzten. Der Regelfall soll die &#xDC;berweisung durch die haus&#xE4;rztliche Praxis werden, die eine st&#xE4;rkere Steuerungs- und Koordinationsfunktion bekommt. Mit dem schon vorliegenden Entwurf f&#xFC;r ein Gesetz f&#xFC;r digitale Innovationen im Gesundheitswesen werden komplett neue Zugangswege zur Versorgung er&#xF6;ffnet: Neben dem Hausarzt und neben der 116 117 soll auch ein digitaler Zugang &#xFC;ber eine ePA-App den Patientinnen und Patienten Hilfe und im Bedarfsfall die geeignete &#xC4;rztin oder den geeigneten Arzt vermitteln. Der Zugang zur fach&#xE4;rztlichen Praxis soll durch eine E-&#xDC;berweisung vereinfacht werden, der Austausch von Patientendaten zwischen verschiedenen Versorgungsebenen digitalisiert werden.</p><p>Inzwischen deuten aktuelle Daten der Krankenkassen darauf hin, dass das Defizit im n&#xE4;chsten Jahr nicht bei rund 15 Mrd. Euro, sondern bei mehr als 18&#xA0;Mrd. Euro liegen d&#xFC;rfte. Ein harter Sparkurs und stringente Reformen sind dabei zwei Seiten der gleichen M&#xFC;nze. Beides erfordert Opfer und die Bereitschaft, unbequeme Wege zu bestreiten.</p><hr><h2 id="die-gesundheitsbilanz-von-schwarz-rot">Die Gesundheitsbilanz von Schwarz-Rot </h2><p><em>Insgesamt zehn Gesetze sind im ersten Halbjahr 2026 in Kraft getreten, beschlossen oder in die Beratungen gestartet. </em></p><h3 id="beschlossene-undoder-schon-in-kraft-getretene-gesetze">Beschlossene und/oder schon in Kraft getretene Gesetze </h3><ul>
<li>&#xC4;nderung des Transplantationsgesetzes: Erm&#xF6;glichung der &#xDC;berkreuz-Lebendspende unter Nichtverwandten</li>
<li>Gesetz zur Beschleunigung der Anerkennungsverfahren ausl&#xE4;ndischer Qualifikationen f&#xFC;r Heilberufe</li>
<li>Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform, derzeit in der Umsetzung</li>
<li>Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung: Sicherung der Arzneiversorgung in l&#xE4;ndlichen Regionen, Ausweitung von Apothekerbefugnissen</li>
<li>Gesetz zur Befugniserweiterung und Entb&#xFC;rokratisierung in der Pflege</li>
<li>Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz: Verhinderung des Missbrauchs von Lachgas und anderen psychoaktiven Stoffen.</li>
</ul>
<h3 id="gesetze-in-den-beratungen">Gesetze in den Beratungen </h3><ul>
<li>Medizinregistergesetz: Verbesserung der Datenqualit&#xE4;t der rund 350 Medizinregister, Erm&#xF6;glichung des Datenaustausches unter den Registern; Stand: kurz vor Abschluss der Beratungen</li>
<li>Gesetz f&#xFC;r Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen: Erweiterung der ePA, neue Digitalanwendungen, digitaler Datenaustausch unter Leistungserbringern, Recht auf Interoperabilit&#xE4;t; Stand: Referentenentwurf</li>
<li>Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Beitragss&#xE4;tze: Ziel ist Ausgabeneinsparung von bis zu 20 Mrd. Euro ab 2027; Stand: Kabinettsbeschluss; Inkrafttreten bis zur Sommerpause geplant</li>
<li>Gesetz zur Reform der Notfallversorgung; Stand: Kabinettsbeschluss.</li>
<li>Pflegeneuordnungsgesetz; Stand: Referentenentwurf</li>
<li>&#xC4;nderung des Medizinal-Cannabisgesetzes; Stand: in den parlamentarischen Beratungen</li>
</ul>
<p>Stand 25.6. 2026</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Das GeDIG – neue Impulse für die digitale Transformation]]></title><description><![CDATA[Die Digitalisierung in Gesundheit und Pflege entscheidend voranbringen, das hat sich auch die schwarz-rote Regierungskoalition oben auf die politische Agenda geschrieben. Einen wichtigen Beitrag dazu soll der Entwurf eines Gesetzes für Daten und digitale Innovationen, kurz GeDIG, leisten.]]></description><link>https://md-forum.de/das-gedig-neue-impulse-fur-die-digitale-transformation/</link><guid isPermaLink="false">6a4529d4716ed9098eeab467</guid><category><![CDATA[Digitalisierung]]></category><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><dc:creator><![CDATA[Kerstin Macherey]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:02:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.23_-c-istockphoto.com_nicomenijes-1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.23_-c-istockphoto.com_nicomenijes-1.jpg" alt="Das GeDIG &#x2013; neue Impulse f&#xFC;r die digitale Transformation"><p><em>Die Digitalisierung in Gesundheit und Pflege entscheidend voranbringen, das hat sich auch die aktuelle schwarz-rote Regierungskoalition ganz weit oben auf die politische Agenda geschrieben. Einen wichtigen Beitrag dazu soll der Entwurf eines Gesetzes f&#xFC;r Daten und digitale Innovationen, kurz GeDIG, leisten.</em></p><p>Mit dem derzeit als Referentenentwurf vorliegenden Gesetz sollen die Vorteile der Digitalisierung gezielt in die Versorgung gebracht werden. Digitale Anwendungen, allen voran die elektronische Patientenakte (ePA), sollen f&#xFC;r Versicherte attraktiver und im Versorgungsalltag besser nutzbar werden. Gleichzeitig zielt der Entwurf darauf, die Nutzung von Gesundheitsdaten f&#xFC;r Forschung, Innovation und Versorgung zu verbessern. Nach weiterer&#xA0;Abstimmung, auch mit Ressorts und Verb&#xE4;nden, steht der Entwurf nun f&#xFC;r den 15. Juli auf der Tagesordnung des Bundeskabinetts.</p><h3 id="das-ziel-schneller-zur-passgenauen-leistung-f%C3%BCr-die-versicherten">Das Ziel: schneller zur passgenauen Leistung f&#xFC;r die Versicherten </h3><p>Der Entwurf sollte auch Regelungen vorsehen, die dem Medizinischen Dienst neue M&#xF6;glichkeiten er&#xF6;ffnen und zus&#xE4;tzliche Werkzeuge an die Hand geben, um die digitale Transformation in seinen Begutachtungs- und T&#xE4;tigkeitsfeldern weiter entschlossen voranzutreiben. </p><p>Vorgesehen ist bereits, die Richtlinienkompetenz des Medizinischen Dienstes Bund zu erweitern: K&#xFC;nftig soll er bundesweit einheitliche Vorgaben zu den digitalen Datenaustauschverfahren zwischen Medizinischen Diensten und insbesondere Krankenkassen sowie Leistungserbringern festlegen. So k&#xF6;nnten bestehende Effizienzverluste, etwa durch unterschiedliche IT-Systeme und &#xDC;bermittlungswege, behoben werden. Die geplante Standardisierung von Daten&#xFC;bermittlungen k&#xF6;nnte zudem Prozesse beschleunigen, die Wirtschaftlichkeit verbessern und letztendlich auch die Qualit&#xE4;t der Versorgung f&#xFC;r die Versicherten erh&#xF6;hen. </p><p>Auch die ePA bietet gro&#xDF;e Chancen, um die Versorgung der Versicherten zu verbessern. Dem Medizinischen Dienst sollten hier Lese- und Schreibrechte einger&#xE4;umt werden, um die Begutachtungsaufgaben effizienter und zielgenauer wahrnehmen zu k&#xF6;nnen. Ein erster konkreter Schritt w&#xE4;re, &#xFC;ber das GeDIG Gutachten zur Feststellung der Pflegebed&#xFC;rftigkeit in der ePA zu hinterlegen. F&#xFC;r die Versicherten w&#xE4;ren die Gutachten damit transparent und jederzeit verf&#xFC;gbar. Auch k&#xF6;nnten die behandelnden &#xC4;rztinnen, &#xC4;rzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten direkt auf Empfehlungen zu Pr&#xE4;vention, Rehabilitation sowie zur erforderlichen Heil- und Hilfsmittelversorgung zugreifen. Die ePA w&#xE4;re damit auch hier ein Prozessbeschleuniger: Abl&#xE4;ufe w&#xFC;rden vereinfacht und beschleunigt &#x2013; Versicherte erhielten schneller die zu ihren Bedarfen passenden Leistungen. </p><h3 id="reallabore-innovationen-m%C3%B6glich-machen">Reallabore: Innovationen m&#xF6;glich machen </h3><p>Der Referentenentwurf sieht dar&#xFC;ber hinaus eine Experimentierklausel f&#xFC;r die Datennutzung in den gesetzlichen Krankenkassen vor. K&#xFC;nftig sollen Krankenkassen mit Genehmigung der Aufsichtsbeh&#xF6;rde sogenannte Reallabore errichten k&#xF6;nnen. Hier w&#xE4;re eine erweiterte Datenverarbeitung im Interesse der Versicherten &#x2013; auch ohne eine explizite gesetzliche Vorschrift - m&#xF6;glich. Diese Regelung sollte auf den Medizinischen Dienst ausgeweitet werden. Denn auch hier besteht die Chance, (Arbeits-) Prozesse mithilfe KI-gest&#xFC;tzter Verfahren systematisch&#xA0;weiterzuentwickeln und einen schnelleren Zugang zu&#xA0;Leistungen zu erreichen. Planung und Durchf&#xFC;hrung solcher Reallabore der Medizinischen Dienste sollten vom Medizinischen Dienst Bund koordiniert werden, um ein zielgerichtetes Vorgehen sicherzustellen. Fazit: Mehr Licht oder mehr Schatten? Diese Frage stellt sich bei der Bewertung von Gesetzesentw&#xFC;rfen sehr oft. Beim GeDIG &#xFC;berwiegt vor allem die Chance. Die Chance, aktuelle Herausforderungen im Gesundheitswesen gezielt anzugehen, indem die Vorteile der Digitalisierung in der Versorgung tats&#xE4;chlich wirksam werden.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[GKV-Sparpaket: Rückkehr zu stabilen Beiträgen?]]></title><description><![CDATA[Der Gesetzlichen Krankenversicherung fehlen 2027 voraussichtlich 19 Mrd. Euro. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Bundesregierung die Ausgaben an die Einnahmen koppeln und das Steigen der Beiträge stoppen.]]></description><link>https://md-forum.de/gkv-sparpaket-ruckkehr-zu-stabilen-beitragen/</link><guid isPermaLink="false">6a4528e2716ed9098eeab44b</guid><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><dc:creator><![CDATA[Thomas Rottschäfer]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:02:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.22_-c-istockphoto.com_Bet_Noire.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.22_-c-istockphoto.com_Bet_Noire.jpg" alt="GKV-Sparpaket: R&#xFC;ckkehr zu stabilen Beitr&#xE4;gen?"><p><em>Der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fehlen 2027 voraussichtlich 19&#xA0;Mrd. Euro. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz will die Bundesregierung die Ausgaben an die Einnahmen koppeln und das Steigen der Beitr&#xE4;ge stoppen.</em></p><p>Bis Ende des Jahres werden die Krankenkassen nach Angaben ihres Spitzenverbandes rund 370 Mrd. Euro f&#xFC;r die Gesundheitsversorgung ihrer 75 Mio. Versicherten ausgeben. Das Problem: Beitragseinnahmen und Ausgaben entwickeln sich immer weiter auseinander. Nach den Finanzdaten der Kassen f&#xFC;r das erste Quartal sind die Leistungsausgaben um 7,6% gestiegen, die Einnahmen dagegen nur um 4,1%. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet f&#xFC;r 2027 mit einer Deckungsl&#xFC;cke von 19 Mrd. Euro. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte GKV-Finanzkommission ging Ende M&#xE4;rz noch von 15,3 Mrd. aus. Bis 2040 droht sich der Fehlbetrag auf rund 40 Mrd. auszuweiten. </p><p>Mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKVBStabG) hat Warken den Rat der Wissenschaftler aufgegriffen, die Ausgaben an die Einnahmen zu binden. Krankenh&#xE4;user, &#xC4;rztinnen, &#xC4;rzte und anderer Leistungserbringer bekommen auch k&#xFC;nftig mehr Geld, aber in der Regel nur noch im Rahmen der Grundlohn-Steigerungen. Die Finanzkommission Gesundheit empfahl zudem, sich auf die&#xA0;Grunds&#xE4;tze evidenzbasierter Medizin zu besinnen, st&#xE4;rker auf Pr&#xE4;vention zu setzen sowie eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild einzuf&#xFC;hren und die Steuern auf Alkohol und Tabak anzuheben. Zugleich mahnte das Gremium den Bund, die gesamtgesellschaftlichen Aufgaben der GKV ausk&#xF6;mmlich zu finanzieren.</p><h3 id="werkzeugkasten-f%C3%BCr-warken">Werkzeugkasten f&#xFC;r Warken </h3><p>66 Empfehlungen f&#xFC;r kurzfristig m&#xF6;gliche Sparma&#xDF;nahmen legten die Wissenschaftler in ihren &#x203A;Werkzeugkasten&#x2039; f&#xFC;r Warken. Schon im n&#xE4;chsten Jahre k&#xF6;nnte die GKV um mehr als 42 Mrd. Euro entlastet werden, hei&#xDF;t es in ihrem Bericht. 36 Mrd. lie&#xDF;en sich ohne Nachteile, eine Mrd. sogar mit positiven Folgen f&#xFC;r die Versorgung einsparen. Das Gros der Empfehlungen fand Eingang in den Gesetzentwurf. Der Medizinische Dienst Bund begr&#xFC;&#xDF;te eine st&#xE4;rkere evidenzbasierte Pr&#xFC;fung der Mittelverwendung als &#xBB;wichtiges Signal f&#xFC;r Qualit&#xE4;t und Nachhaltigkeit in der Versorgung&#xAB;. Eine nachhaltige Verbesserung der Abrechnungsqualit&#xE4;t erhofft sich der Medizinische Dienst durch das Anpassen von Quoten und Schwellenwerten bei der Krankenhausabrechnungspr&#xFC;fung. </p><p>Bei Redaktionsschluss war noch nicht klar, ob es bei der unbefristeten K&#xFC;rzung der Bundesmittel f&#xFC;r versicherungsfremde Leistungen um zwei Mrd. Euro pro Jahr bleibt. Demgegen&#xFC;ber w&#xFC;rden die 250 Mio. Euro kaum ins Gewicht fallen, mit denen der Bund 2027 in den Ausgleich der chronisch unterfinanzierten Gesundheitsversorgung von Menschen in Grundsicherung einsteigen will. </p><h3 id="basis-f%C3%BCr-strukturreformen">Basis f&#xFC;r Strukturreformen </h3><p>Das Sparpaket verlange &#xBB;allen etwas ab, aber niemandem etwas Unzumutbares, und langfristig profitieren alle&#xAB;, betonte Warken, nachdem ihrem Entwurf bei der Anh&#xF6;rung im Gesundheitsausschuss des Bundestages am 22. Juni die geballte Kritik der Interessengruppen entgegenschlug. Solide GKVFinanzen seien die Basis f&#xFC;r anstehende Strukturreformen, darunter die Einf&#xFC;hrung eines Prim&#xE4;rversorgungssystems. Auf Patientinnen, Patienten und Versicherte kommen h&#xF6;here Zuzahlungen f&#xFC;r Medikamente, Heil- und Verbandmittel zu, der Festzuschuss beim Zahnersatz sinkt und die Beitragsbemessungsgrenze wird h&#xF6;her angesetzt. F&#xFC;r Ehepartner, die sich nicht um Kinder unter sieben Jahren oder pflegebed&#xFC;rftige Angeh&#xF6;rige k&#xFC;mmern, l&#xE4;uft die kostenlose Mitversicherung in der GKV aus. In den Beratungen, die bei Redaktionsschluss andauerten, ging es zuletzt vor allem um den Beitrag der Krankenh&#xE4;user. Der Bundesrat hatte sich f&#xFC;r Erleichterungen ausgesprochen. Ziel war es, das Sparpaket noch vor der parlamentarischen Sommerpause durch den Bundestag verabschieden und von der L&#xE4;nderkammer absegnen zu lassen, um den Krankenkassen Planungssicherheit f&#xFC;r 2027 zu geben.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was bringt das Pflegeneuordnungsgesetz?]]></title><description><![CDATA[Anfang Juni hat das Bundesministerium für Gesundheit den Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vorgelegt. Das geplante Gesetz soll vor allem die Finanzierung der Pflegeversicherung sichern und die häusliche Pflege stärken.]]></description><link>https://md-forum.de/was-bringt-das-pflegeneuordnungsgesetz/</link><guid isPermaLink="false">6a46352f716ed9098eeab563</guid><category><![CDATA[Gesundheitspolitik]]></category><category><![CDATA[Pflege]]></category><dc:creator><![CDATA[Steffen Bartzik]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:01:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.24_-c-istockphoto.com_AlexStar.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.24_-c-istockphoto.com_AlexStar.jpg" alt="Was bringt das Pflegeneuordnungsgesetz?"><p><em>Anfang Juni hat das Bundesministerium&#xA0;f&#xFC;r Gesundheit (BMG) den Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)&#xA0;vorgelegt. Das geplante Gesetz soll vor allem die Finanzierung der Pflegeversicherung sichern und die h&#xE4;usliche Pflege st&#xE4;rken.</em></p><p>Mehr als 6 Mio. Menschen beziehen in Deutschland Leistungen der sozialen Pflegeversicherung (SPV) &#x2013; fast doppelt so viele wie 2015. Gleichzeitig sind die Beitr&#xE4;ge zur SPV von 2,55% auf 3,6% f&#xFC;r Versicherte mit Kindern und von 2,8% auf 4,2% f&#xFC;r Kinderlose gestiegen. Das BMG rechnet mit zunehmendem Finanzbedarf und f&#xFC;r 2027 mit einem Minus von 7,6&#xA0;Mrd. Euro in der SPV. Der Referentenentwurf zum PNOG sieht daher zahlreiche Ma&#xDF;nahmen zur Finanzierung der SPV vor. Daneben zielt das PNOG auf eine st&#xE4;rkere&#xA0;Ausrichtung auf Pr&#xE4;vention und Rehabilitation sowie auf mehr Digitalisierung ab. Dabei kommt auch dem Medizinischen Dienst und seiner Begutachtung eine wichtige Rolle zu.</p><h3 id="was-ist-geplant">Was ist geplant? </h3><p>Die Ma&#xDF;nahmen zur Reform der Finanzierung der SPV umfassen insbesondere: </p><ul>
<li>die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze,</li>
<li>die Anhebung des Beitragssatzes f&#xFC;r Kinderlose um 0,1 Prozentpunkt,</li>
<li>eine Einschr&#xE4;nkung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnerinnen und -partnern,</li>
<li>die Zahlung von Beitr&#xE4;gen zur SPV auch f&#xFC;r Minijobs,</li>
<li>die Reduzierung des Beitrags der SPV f&#xFC;r Rentenanspr&#xFC;che von pflegenden An- und Zugeh&#xF6;rigen,</li>
<li>die &#xC4;nderung des Leistungszuschlags bei vollstation&#xE4;rer Pflege,</li>
<li>die Verschiebung der R&#xFC;ckzahlung der bestehenden Bundesdarlehen auf die Jahre 2035 bis 2039,</li>
<li>den Wegfall des Entlastungsbetrags beim Pflegegrad 1 und eine Halbierung des Entlastungsbudgets in den Pflegegraden 2 und 3 in den ersten drei Bezugsmonaten,</li>
<li>eine Anpassung der Schwellenwerte und der Modulpunkte in der Bewertungssystematik der Pflegebegutachtung zur Ermittlung des Pflegegrads.</li>
</ul>
<h3 id="begutachtung-weiterentwickeln">Begutachtung weiterentwickeln </h3><p>Auch die Pflegebegutachtung selbst soll gezielt weiterentwickelt werden. K&#xFC;nftig sollen pr&#xE4;ventive Ma&#xDF;nahmen und die medizinische Rehabilitation gest&#xE4;rkt werden, sodass entsprechende Empfehlungen durch die Gutachterinnen und Gutachter der Medizinischen Dienste h&#xE4;ufiger m&#xF6;glich sind und noch konsequenter gepr&#xFC;ft wird, ob eine Rehabilitation den Pflegebedarf senken kann. Zudem sollen wesentliche Beeintr&#xE4;chtigungen der Selbstst&#xE4;ndigkeit und daraus resultierende Schwerpunkte der pflegerischen Versorgung so im Gutachten erg&#xE4;nzt werden k&#xF6;nnen, dass sie f&#xFC;r die geplante Pflegebegleitung als handlungsleitende Empfehlungen genutzt werden k&#xF6;nnen. Die entsprechenden Informationen sollen weiteren Beteiligten, insbesondere den zust&#xE4;ndigen Tr&#xE4;gern der Sozialhilfe und der neu einzurichtenden Pflegebegleitung zur Verf&#xFC;gung gestellt werden. Diese soll Pflegebed&#xFC;rftige in der h&#xE4;uslichen Pflege und ihre An- und Zugeh&#xF6;rige fachlich beraten und bestehende Beratungsangebote b&#xFC;ndeln. Die Durchf&#xFC;hrung der Pflegebegleitung erfolgt durch die Pflegekassen, idealerweise im Rahmen der Pflegest&#xFC;tzpunkte. </p><p>Zudem soll das Begutachtungsverfahren regelm&#xE4;&#xDF;ig evaluiert und weiterentwickelt werden. Die vorgesehene Regelung zur Ausweitung der Befristungen von Leistungen der sozialen Pflegeversicherung sollte hingegen gepr&#xFC;ft werden. In den Wahrscheinlichkeitsprognosen zur weiteren Entwicklung der Pflegebed&#xFC;rftigkeit l&#xE4;sst sich nicht verl&#xE4;sslich ber&#xFC;cksichtigen, ob vor Ort ausreichend Unterst&#xFC;tzungsangebote zur Verf&#xFC;gung stehen, und ob die antragstellende Person, die vom Medizinischen Dienst empfohlenen Ma&#xDF;nahmen auch&#xA0;tats&#xE4;chlich umsetzen kann. Hinterfragt werden sollte zudem, ob die finanzpolitischen&#xA0;Ma&#xDF;nahmen, insbesondere die Reduktion der Rentenzahlungen f&#xFC;r pflegende Angeh&#xF6;rige, und die St&#xE4;rkung der Pr&#xE4;vention sinnvoll ineinandergreifen. </p><p>Bei Redaktionsschluss (30.6.2026) stand der Kabinettsbeschluss des PNOG noch aus. Das parlamentarische Beschlussverfahren&#xA0;wird nach der Sommerpause stattfinden.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ergebnisqualität entscheidet: neue QPR in der ambulanten Pflege]]></title><description><![CDATA[Die Qualitätsprüfung von ambulanten Pflegediensten und ambulanten Betreuungsdiensten fokussiert ab sofort schwerpunktmäßig auf die Versorgungsqualität, auf Transparenz, Beratung und Fachgespräche. Details regeln die neuen Qualitätsprüfungs-Richtlinien.]]></description><link>https://md-forum.de/ergebnisqualitat-entscheidet-neue-qpr-in-der-ambulanten-pflege/</link><guid isPermaLink="false">6a4635ff716ed9098eeab582</guid><category><![CDATA[Richtlinien]]></category><category><![CDATA[Pflege]]></category><category><![CDATA[Pflegequalität]]></category><dc:creator><![CDATA[Miriam Müller-Steineck]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 09:00:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.25_-c-istockphoto.com_SergeySkleznev.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.25_-c-istockphoto.com_SergeySkleznev.jpg" alt="Ergebnisqualit&#xE4;t entscheidet: neue QPR in der ambulanten Pflege"><p><em>Die Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fung von ambulanten Pflegediensten und ambulanten Betreuungsdiensten fokussiert ab sofort schwerpunktm&#xE4;&#xDF;ig auf die Versorgungsqualit&#xE4;t, auf Transparenz, Beratung und Fachgespr&#xE4;che. Details regeln die neuen Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fungs-Richtlinien.</em></p><p>Bei der Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fung in der ambulanten Pflege r&#xFC;ckt der Fokus nun &#x2013; wie auch bei der Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fung in station&#xE4;ren Pflegeeinrichtungen &#x2013; auf die Frage &#x203A;Wie gut sind pflegebed&#xFC;rftige Menschen gepflegt und versorgt?&#x2039; Mit den neuen Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fungs-Richtlinien (QPR) f&#xFC;r die ambulante Pflege, die zum 1. Juli 2026 in Kraft getreten sind, pr&#xFC;ft der Medizinische Dienst die Versorgungsqualit&#xE4;t anhand umfassender Qualit&#xE4;tsaspekte statt formaler Strukturkriterien.</p><h3 id="perspektivwechsel">Perspektivwechsel </h3><p>Qualit&#xE4;t wird nicht mehr vorrangig &#xFC;ber die Pflegedokumentation bewertet, sondern st&#xE4;rker &#xFC;ber die fachlich begr&#xFC;ndete Einsch&#xE4;tzung der tats&#xE4;chlichen Versorgungs- und Betreuungssituation. Dieser&#xA0;Ansatz, der in der Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fung von station&#xE4;ren Pflegeeinrichtungen bereits seit 2019 umgesetzt wird, folgt dem seit 2017 geltenden erweiterten Pflegebed&#xFC;rftigkeitsbegriff. Dieser definiert Pflege nicht l&#xE4;nger als Abfolge k&#xF6;rperbezogener Verrichtungen, sondern macht die Beeintr&#xE4;chtigung der Selbstst&#xE4;ndigkeit in bestimmten Aktivit&#xE4;ten und Lebensbereichen zum zentralen Merkmal von Pflegebed&#xFC;rftigkeit. Der Perspektivwechsel ver&#xE4;nderte, was professionelle Pflege leisten soll und woran sie gemessen werden kann. </p><p>Auf Basis einer Stichprobe von zuf&#xE4;llig ausgew&#xE4;hlten versorgten Pflegebed&#xFC;rftigen erfasst das Pr&#xFC;fteam zu jedem Qualit&#xE4;tsaspekt Informationen, wertet diese anhand von Leitfragen aus und bewertet sie abschlie&#xDF;end. Anders als bei der bisherigen dokumentationsorientierten Qualit&#xE4;tspr&#xFC;fung gewinnen nun Hausbesuche, Gespr&#xE4;che mit pflegebed&#xFC;rftigen Menschen und ihren An- und Zugeh&#xF6;rigen sowie Fachgespr&#xE4;che mit Pflegefachpersonen eine besondere Bedeutung.</p><h3 id="was-%C3%A4ndert-sich">Was &#xE4;ndert sich? </h3><p>Bei der Pr&#xFC;fung von ambulanten Pflegeeinrichtungen werden f&#xFC;nf Qualit&#xE4;tsbereiche unterschieden: Sie umfassen unabh&#xE4;ngig von vereinbarten Leistungen zu pr&#xFC;fende Aspekte (z.B. Aufnahmemanagement, Erfassung von Risiken und Gefahren, Anzeichen einer Destabilisierung der Versorgungssituation), die Versorgung im Rahmen der individuell vereinbarten Leistungen (z.B. Unterst&#xFC;tzung bei der K&#xF6;rperpflege oder Betreuung), Ma&#xDF;nahmen im Rahmen &#xE4;rztlich verordneter Leistungen (z. B. Medikamentengabe) bis hin zu sonstigen Qualit&#xE4;tsaspekten der personenbezogenen Pr&#xFC;fung (z. B. Gewaltsituationen) und der einrichtungsbezogenen Pr&#xFC;fung (z. B. Aussagen zum Qualit&#xE4;tsmanagement). </p><blockquote>Aus dem Zusammenspiel aller Aspekte entsteht ein Gesamtbild, das eine differenzierte Beurteilung erm&#xF6;glicht.</blockquote><p>Bewertet wird anhand eines vierstufigen Bewertungssystems (A&#x2013;D). Hier sind insbesondere die Stufen C und D relevant, da sie auf Pflegesituationen mit m&#xF6;glichen Risiken oder bereits eingetretenen negativen Folgen hinweisen. Aus dem Zusammenspiel aller Aspekte entsteht ein Gesamtbild, das eine differenzierte Beurteilung erm&#xF6;glicht und die pflegefachliche Einsch&#xE4;tzung zur Kernkompetenz macht. </p><p>Die neuen QPR sollen sichtbar machen, wenn die Versorgungssicherheit eines pflegebed&#xFC;rftigen Menschen gef&#xE4;hrdet ist, wenn An- und Zugeh&#xF6;rige an Grenzen sto&#xDF;en, es Anzeichen von Vernachl&#xE4;ssigung, Gewalt oder Missbrauch gibt, die in h&#xE4;uslichen Pflegesituationen h&#xE4;ufig im Verborgenen bleiben. Und sie sollen einen Rahmen schaffen, der es erm&#xF6;glicht, diese sensiblen Themen anzusprechen. </p><p>Die spezialisierte Pflege, also die au&#xDF;erklinische Intensivpflege und die psychiatrische h&#xE4;usliche Pflege, wird in den neuen Richtlinien&#xA0;ebenfalls ber&#xFC;cksichtigt. </p><h3 id="fazit">Fazit </h3><p>Die neuen QPR in der ambulanten Pflege dienen der Qualit&#xE4;tsentwicklung und f&#xF6;rdern die interne Qualit&#xE4;tsarbeit von Pflegediensten. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen, die auf pflegerische Versorgung angewiesen sind, bleiben dabei der unverr&#xFC;ckbare Ma&#xDF;stab.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Leben statt leiden: Hoffnung für Frauen mit Endometriose]]></title><description><![CDATA[Etwa eine von zehn Frauen leidet an Endometriose, einer chronischen Erkrankung, bei der gebärmutterartiges Gewebe deplatziert im Bauchraum wächst und dabei sehr unterschiedliche Symptome, oft aber starke Schmerzen verursacht. ]]></description><link>https://md-forum.de/leben-statt-leiden-hoffnung-fur-frauen-mit-endometriose/</link><guid isPermaLink="false">6a4636f4716ed9098eeab59f</guid><category><![CDATA[Gesundheit]]></category><category><![CDATA[Patientensicherheit]]></category><dc:creator><![CDATA[Diana Arnold]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 08:59:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.27_-c-istockphoto.com_DesignCells.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.27_-c-istockphoto.com_DesignCells.jpg" alt="Leben statt leiden: Hoffnung f&#xFC;r Frauen mit Endometriose"><p><em>Etwa eine von zehn Frauen leidet an Endometriose, einer chronischen Erkrankung, bei der geb&#xE4;rmutterartiges Gewebe deplatziert im Bauchraum w&#xE4;chst und dabei sehr unterschiedliche Symptome, oft aber starke Schmerzen verursacht. Betroffene k&#xF6;nnen auf das wachsende Interesse von Medizin und Forschung hoffen.</em></p><p>Zwei Drittel aller Frauen leiden w&#xE4;hrend ihrer Menstruation an starken Schmerzen, der&#xA0;sogenannten Dysmenorrhoe; viele greifen zu&#xA0;Schmerzmitteln und vermutlich fast alle von ihnen haben sich schon mal anh&#xF6;ren m&#xFC;ssen, dass diese Schmerzen zum Frausein dazugeh&#xF6;ren, also keine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Dies gilt umso mehr f&#xFC;r die 10 bis 15% der Frauen, deren vermeintlichen Menstruationsbeschwerden eine Endometriose zugrunde liegt. Oft warten sie Jahre, bis sie ernst genommen werden und eine Diagnose erhalten. </p><blockquote>Einen Namen und eine Erkl&#xE4;rung daf&#xFC;r zu haben, hilft mir sehr.</blockquote><p>20 Jahre und sieben &#xC4;rztinnen hat es gebraucht, bis Claudia endlich einen Namen bekam f&#xFC;r die heftigen Schmerzen, die starken Blutungen und Darmprobleme, die f&#xFC;r sie seit der Pubert&#xE4;t &#x203A;normal&#x2039; sein sollten. Oft wurde ihr erkl&#xE4;rt, dass sie einfach besonders starke Regelschmerzen h&#xE4;tte &#x2013; ein ungl&#xFC;cklicher, aber unab&#xE4;nderlicher Zufall. &#xBB;Wenn ich vom Schmerz vollkommen handlungsunf&#xE4;hig war, konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass das nat&#xFC;rlich ist. Ich habe mich intensiv damit besch&#xE4;ftigt, was im K&#xF6;rper passiert, wie Regelschmerzen entstehen. Aber die Erkl&#xE4;rung hat mir nie gereicht.&#xAB; Erst als bei einer Freundin Endometriose diagnostiziert wurde und sie dieselbe Frauen&#xE4;rztin aufsuchte, erhielt auch sie eine Diagnose: Endometriose Stadium&#xA0;II. &#xBB;Einen Namen und eine Erkl&#xE4;rung daf&#xFC;r zu haben, hilft mir sehr. Nat&#xFC;rlich hilft es auch, dass ich ein passendes Hormonpr&#xE4;parat nehme und auf entz&#xFC;ndungsf&#xF6;rdernde Lebensmittel wie Zucker verzichte. Aber sich ernstgenommen zu f&#xFC;hlen, ist genauso wichtig,&#xAB; betont Claudia, die sich inzwischen auch bei der <a href="https://www.endometriose-vereinigung.de/?ref=md-forum.de" rel="noreferrer">Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.</a> engagiert. Dort erhalten betroffene Frauen medizinische, sozialrechtliche und organisatorische Informationen, z. B. zu Endometriosezentren und Selbsthilfegruppen.</p><h3 id="verirrtes-gewebe">Verirrtes Gewebe </h3><p>Bei der Endometriose w&#xE4;chst Gewebe, das der&#xA0;Geb&#xE4;rmutterschleimhaut (dem Endometrium) &#xE4;hnelt, au&#xDF;erhalb der Geb&#xE4;rmutter. Vor allem der Bauchraum ist davon betroffen. Am h&#xE4;ufigsten finden sich die gutartigen Wucherungen an den Eierst&#xF6;cken, dem Bauchfell oder Organen wie dem Darm. Warum das passiert, konnte bisher nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Eine der st&#xE4;rkeren Hypothesen erkl&#xE4;rt das Gewebe am falschen Ort damit, dass das Menstruationsblut in die falsche Richtung, n&#xE4;mlich &#xFC;ber die Eileiter ins Bauchfell statt &#xFC;ber die Vagina aus dem K&#xF6;rper hinausflie&#xDF;t. </p><p>Wie die Geb&#xE4;rmutterschleimhaut auch, reagiert das Gewebe auf die nat&#xFC;rlichen hormonellen Abl&#xE4;ufe des monatlichen Zyklus: In den ersten zwei Wochen sorgen &#xD6;strogene f&#xFC;r einen Aufbau der Geb&#xE4;rmutterschleimhaut, deren Zweck es eigentlich ist, mithilfe von Progesteron eine Art Nistplatz f&#xFC;r eine m&#xF6;glicherweise befruchtete Eizelle zu schaffen. Doch neben dem ganz gew&#xF6;hnlichen Aufbau der Schleimhaut in der Geb&#xE4;rmutter w&#xE4;chst zugleich das Gewebe, das sich in den Bauchraum verirrt hat, ebenfalls an. Findet keine Befruchtung statt, wird die Schleimhaut in Form der Regelblutung aus dem K&#xF6;rper gef&#xFC;hrt. Dies gilt allerdings aus anatomischen Gr&#xFC;nden nur f&#xFC;r die echte Geb&#xE4;rmutterschleimhaut. Das aufgebaute Gewebe au&#xDF;erhalb der Geb&#xE4;rmutter findet keinen Weg zum Abbluten. Stattdessen kommt es zu Entz&#xFC;ndungsreaktionen, die starke Schmerzen verursachen und sich bei jedem zyklisch wiederkehrenden &#xD6;strogen-Einfluss verschlimmern k&#xF6;nnen. So wird die Erkrankung&#xA0;chronisch. Da sich das Gewebe mehrheitlich im Bauchraum befindet und die Symptome mit der hormonellen Dynamik des Zyklus korrespondieren, also mal st&#xE4;rker und mal schw&#xE4;cher sind, ist die Gefahr gro&#xDF;, die Schmerzen mit der tats&#xE4;chlich vergleichsweise normalen Dysmenorrhoe zu verwechseln.</p><h3 id="der-lange-weg-zur-diagnose-wird-k%C3%BCrzer">Der lange Weg zur Diagnose wird k&#xFC;rzer </h3><p>Etwa eine von zehn Frauen leidet an dieser chronischen Erkrankung, deren H&#xE4;ufigkeit sogar vergleichbar mit Diabetes ist. Sie ist also alles andere als selten, und dennoch dauert es bis zur Diagnose durchschnittlich sieben bis zehn&#xA0;Jahre. Die H&#xE4;lfte der Frauen hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere gyn&#xE4;kologische Praxen besucht und Fehldiagnosen erhalten. </p><blockquote>Bei immer mehr Frauen wird heute Endometriose diagnostiziert. </blockquote><p>&#xDC;ber Endometriose zu sprechen bedeutet auch, &#xFC;ber den weiblichen Zyklus und die Menstruation zu sprechen. Auch dieses Tabu trug lange dazu bei, dass die zweith&#xE4;ufigste gyn&#xE4;kologische Erkrankung lange vernachl&#xE4;ssigt wurde. Prominente Frauen wie die S&#xE4;ngerin Dolly Parton und die Filmemacherin Lena Dunham &#xE4;u&#xDF;erten sich lautstark zu ihrer Erkrankung und unterst&#xFC;tzten so viele Frauen dabei, sich Geh&#xF6;r zu verschaffen. </p><p>Bei immer mehr Frauen wird heute Endometriose diagnostiziert. Dass sie die Diagnose inzwischen offenbar zu einem fr&#xFC;heren Zeitpunkt erhalten, zeigt ihr Alter: 2005 waren Frauen bei der Diagnose durchschnittlich 41 Jahre alt, heute sind sie fast vier Jahre j&#xFC;nger. Aktuellen Zahlen der Barmer zufolge haben sich die Endometriose-Diagnosen in den vergangenen 20 Jahren von rund 230.000 auf gut 510.000 mehr als verdoppelt. Die Krankheit ist also ins Bewusstsein der &#xC4;rztinnen und &#xC4;rzte ger&#xFC;ckt und kann somit gezielter lokalisiert und diagnostiziert werden. </p><p>Auch die Anamnese und die nichtinvasive Diagnostik wurden verfeinert. So k&#xF6;nnen heute u. a. hochaufl&#xF6;sende Ultraschallaufnahmen helfen, Endometrioseherde besser zu identifizieren. Lange Zeit galt ein operativer Eingriff, die Bauchspiegelung, als einziger sicherer Weg, eine Endometriose festzustellen oder auszuschlie&#xDF;en. </p><h3 id="passgenaue-und-multimodale-behandlung">Passgenaue und multimodale Behandlung </h3><p>Das Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung der Endometriose ist eine Gestagen-Pille, also eigentlich ein Verh&#xFC;tungsmittel. Dieses simuliert eine Schwangerschaft, was dem K&#xF6;rper signalisiert, dass kein &#xD6;strogen zum Gewebeaufbau ben&#xF6;tigt wird. Damit wird auch das Wachstum der Endometrioseherde in vielen F&#xE4;llen erfolgreich unterdr&#xFC;ckt. </p><p>In schwereren F&#xE4;llen, wenn z. B. die Endometrioseherde die Oberfl&#xE4;che der Beckenorgane durchbrechen und tief in das darunterliegende Gewebe gewachsen sind, kann auch ein operativer Eingriff angezeigt sein. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 37.700 Frauen wegen einer Endometriose station&#xE4;r behandelt. Zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 25.100 F&#xE4;lle. </p><blockquote>Endometriose-Patientinnen haben ein dreifach erh&#xF6;htes Risiko, eine klinische Depression zu entwickeln.</blockquote><p>Daneben werden Patientinnen oft auch mit&#xA0;psychosomatischer und mit Schmerztherapie begleitet. Zudem gilt es, psychische Belastungen im Blick zu behalten. Denn Endometriose-Patientinnen haben ein dreifach erh&#xF6;htes Risiko, eine klinische Depression zu entwickeln, was vor allem mit chronischen Schmerzen, verz&#xF6;gerten Diagnosen und unerf&#xFC;lltem Kinderwunsch erkl&#xE4;rt wird. </p><p>Der unerf&#xFC;llte Kinderwunsch war lange Zeit einer der h&#xE4;ufigsten Anl&#xE4;sse, der Endometriose auf die Spur zu kommen. Denn etwa die H&#xE4;lfte der Frauen, die vergeblich versuchen, schwanger zu werden, leiden an Endometriose, und die H&#xE4;lfte der Endometriose-Patientinnen haben Schwierigkeiten, schwanger zu werden, zumeist, weil vernarbtes Gewebe die Funktion der Eierst&#xF6;cke und der Eileiter beeintr&#xE4;chtigt. </p><h3 id="politik-und-forschung">Politik und Forschung </h3><p>Dem Engagement der Betroffenen ist es zu verdanken, dass Endometriose inzwischen auch in der Politik angekommen ist. So fordert beispielsweise die Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V., die seit &#xFC;ber 30 Jahren beachtliche Aufkl&#xE4;rungsarbeit leistet, eine Nationale Endometriosestrategie. Diese steht zwar noch aus, aber immerhin f&#xF6;rdert das Bundesministerium f&#xFC;r Bildung und Forschung (BMBF) derzeit mehrere interdisziplin&#xE4;re Verbundprojekte zur Erforschung von Endometriose, wof&#xFC;r in den kommenden f&#xFC;nf Jahren j&#xE4;hrlich 5 Mio. Euro bereitgestellt werden. Schwerpunkte sind unter anderem Entstehungsmechanismen, Risikofaktoren und Ansatzpunkte zur Pr&#xE4;vention. Das Frausein hat endlich als Ausrede ausgedient und Betroffene k&#xF6;nnen hoffen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Blut ist nicht gleich Blut]]></title><description><![CDATA[Karl Landsteiner machte 1900 eine der segensreichsten Entdeckungen der Medizin: das System der Blutgruppen. Es ermöglichte sichere Transfusionen, die zuvor meist tödlich endeten.]]></description><link>https://md-forum.de/blut-ist-nicht-gleich-blut/</link><guid isPermaLink="false">6a46382f716ed9098eeab5c1</guid><category><![CDATA[Medizingeschichte]]></category><dc:creator><![CDATA[Tanja Wolf]]></dc:creator><pubDate>Tue, 07 Jul 2026 08:58:00 GMT</pubDate><media:content url="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.29_-c-istockphoto.com_wikimedia.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://md-forum.de/content/images/2026/07/Microsite_2_26_S.29_-c-istockphoto.com_wikimedia.jpg" alt="Blut ist nicht gleich Blut"><p><em>Karl Landsteiner machte 1900 eine der segensreichsten Entdeckungen der Medizin: das System der Blutgruppen. Es erm&#xF6;glichte sichere Transfusionen, die zuvor meist t&#xF6;dlich endeten.</em></p><p>Zur Ader gelassen zu werden, hat medizinisch keine Vorteile. Die Jahrtausende alte medizinische Praxis beruhte auf der Annahme, es sei hilfreich, eine gr&#xF6;&#xDF;ere Menge Blut abzuzapfen, etwa, weil dem K&#xF6;rper dadurch krankmachende S&#xE4;fte entzogen w&#xFC;rden oder das richtige Verh&#xE4;ltnis der sogenannten K&#xF6;rpers&#xE4;fte wiederhergestellt werde. Seit der Antike, seit Hippokrates (etwa 460 bis 370 v. Chr.) ging man von vier S&#xE4;ften aus, die f&#xFC;r die Gesundheit im Gleichgewicht sein m&#xFC;ssen: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Es gab sogar Aderlass-Kalender, die festhielten, welche Ader bei welchem Leiden zu &#x203A;schlagen&#x2039; sei. Fatalerweise wurde die Menge Blut, die im menschlichen K&#xF6;rper zirkuliert, drastisch &#xFC;bersch&#xE4;tzt. Das reduzierte die &#xDC;berlebenschancen deutlich. Vor allem ahnte man nicht, was Blut im Innersten zu bieten hat &#x2013; bis zum Jahr 1900. </p><h3 id="eine-fu%C3%9Fnote-l%C3%B6ste-ein-gro%C3%9Fes-r%C3%A4tsel-der-medizin">Eine Fu&#xDF;note l&#xF6;ste ein gro&#xDF;es R&#xE4;tsel der Medizin </h3><p>Am 10.Februar jenes Jahres erw&#xE4;hnte der Wiener Mediziner und Chemiker Karl Landsteiner im &#x203A;Centralblatt f&#xFC;r Bacteriologie&#x2039; in einer Fu&#xDF;note auf Seite 361, das Blutserum von normalen Menschen k&#xF6;nne die roten Blutk&#xF6;rperchen anderer gesunder Individuen verklumpen lassen. Landsteiner, am 14. Juni 1868 in Baden bei Wien als Sohn des Wirtschaftsjournalisten und Zeitungsherausgebers Leopold Landsteiner geboren, war damit auf einer wichtigen Spur. Seit dem 16. Jahrhundert war zwar der Blutkreislauf bekannt, aber die erste Bluttransfusion 1667 gl&#xFC;ckte nur durch Zufall, zumal der Spender ein Schaf war. Dass Blut aber nicht gleich Blut ist, dass es vielmehr verschiedene Blutgruppen mit verschiedenen Eigenschaften gibt, ahnte man nicht. Die Folge: Blut&#xFC;bertragungen endeten h&#xE4;ufig t&#xF6;dlich und wurden in einigen L&#xE4;ndern verboten. Ein letzter Erfolg gelang dem britischen Gyn&#xE4;kologen James Blundell 1825: Er rettete eine Frau, die bei der Geburt ihres Kindes viel Blut verloren hatte, mit einem Viertelliter Blut aus dem Oberarm seines Assistenten. Karl Landsteiner hatte also gute Gr&#xFC;nde, seiner Erkenntnis zum Verklumpen der roten Blutk&#xF6;rperchen weiter auf den Grund zu gehen. Er war damals 32 Jahre alt und noch nicht habilitiert. Ein Jahr sp&#xE4;ter, 1901, ver&#xF6;ffentlichte er in der Wiener Klinischen Wochenschrift den Fachaufsatz &#x203A;&#xDC;ber Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes&#x2039;. Darin beschrieb er seine These, dass es sich bei den beobachteten Verklumpungen im Blut nicht um eine krankhafte, sondern um eine nat&#xFC;rliche Reaktion handeln m&#xFC;sse. </p><h3 id="gef%C3%A4hrliche-agglutinate">Gef&#xE4;hrliche Agglutinate </h3><p>Landsteiner hatte in Wien Medizin und anschlie&#xDF;end Chemie in W&#xFC;rzburg, M&#xFC;nchen und Z&#xFC;rich studiert. Er hatte 1891 promoviert und arbeitete am serologisch-pathologischen Institut der Universit&#xE4;t Wien. Dort analysierte er systematisch Blutproben &#x2013; seine eigenen und die seiner Mitarbeiter. Das Blut wurde zentrifugiert, dadurch trennte Landsteiner die&#xA0;Blutk&#xF6;rperchen von der Blutfl&#xFC;ssigkeit. Dann mischte er die Blutk&#xF6;rperchen jeder Versuchsperson mit dem Serum der anderen Versuchspersonen. Bei einem Teil der Kombinationen blieben Serum und Blutk&#xF6;rperchen harmonisch gemischt. Bei einem anderen Teil aber bildeten sich Kl&#xFC;mpchen &#x2013; jene Agglutinate, die Landsteiner 1900 in seiner Ver&#xF6;ffentlichung erw&#xE4;hnt hatte. Das Serum verschiedener Menschen konnte also unterschiedliche Eigenschaften haben. Seine Schlussfolgerung: Es m&#xFC;sse drei verschiedene Blutgruppen geben. Er nannte sie A, B und C. Die Blutgruppe C wurde sp&#xE4;ter in Null umbenannt. 1902 entdeckten seine Mitarbeiter eine vierte Gruppe: AB. Seit 1928 sind diese Bezeichnungen weltweit genormt. </p><p>Ursache der Unvertr&#xE4;glichkeit: Bestimmte Eiwei&#xDF;molek&#xFC;le an der Oberfl&#xE4;che der roten Blutk&#xF6;rperchen vertragen sich nicht mit Antik&#xF6;rpern im fremden Blutserum. Gegen Merkmale, die sich nicht auf den eigenen Blutk&#xF6;rperchen finden, bildet der K&#xF6;rper also Abwehrmolek&#xFC;le. Ein Mensch mit der Blutgruppe A bildet Antik&#xF6;rper gegen B. Bei der Blutgruppe B ist es andersherum.</p><p>Menschen mit der Blutgruppe 0 bilden Antik&#xF6;rper gegen A und gegen B. Die Blutgruppe AB bildet dagegen keine Antik&#xF6;rper. Wird nicht das passende Blut transfundiert, werden die fremden Blutk&#xF6;rperchen attackiert und sie verklumpen. Karl Landsteiner hatte damit die theoretische Basis f&#xFC;r unsch&#xE4;dliche Bluttransfusionen geschaffen. Daf&#xFC;r erhielt er 1930 den Nobelpreis f&#xFC;r Medizin. Er hatte ein jahrtausendealtes R&#xE4;tsel der Medizin gel&#xF6;st.</p><h3 id="rettung-bei-ops-im-ersten-weltkrieg">Rettung bei OPs im Ersten Weltkrieg </h3><p>Die Sicherheit im Umgang mit Bluttransfusionen zahlte sich schon im Ersten Weltkrieg aus. Die f&#xFC;rchterlichen Verletzungen der Soldaten konnten nun dank Bluttransfusionen operiert werden, der Blutverlust war kein Todesurteil mehr. Blutkonserven wurden durch die Zugabe von gerinnungshemmenden Mitteln und Traubenzucker l&#xE4;nger haltbar. Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg aber bewog Karl Landsteiner 1919, zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn &#xD6;sterreich zu verlassen. Zun&#xE4;chst ging die Familie in die Niederlande. 1922 erhielt er, seit 1911 Professor f&#xFC;r Pathologie, einen Ruf ans Rockefeller Institute in New York, wo er sich haupts&#xE4;chlich der Immunologie, Serologie und Genetik widmete. Die USA wollten eine Blutbank aufbauen, brauchten also die Technik, um Blut zu lagern. </p><h3 id="landsteiners-zweite-gro%C3%9Fe-entdeckung">Landsteiners zweite gro&#xDF;e Entdeckung </h3><p>1940 entdeckte Landsteiner zudem mit seinem Kollegen Alexander Wiener eine weitere Ursache der Unvertr&#xE4;glichkeit von Blut&#xFC;bertragungen. Sie wurde nach Versuchen mit Rhesusaffen &#x203A;Rhesusfaktor&#x2039; genannt: Entscheidend, um Transfusionen noch sicherer zu machen &#x2013; aber auch Geburten. Denn die Antik&#xF6;rper im Rhesus-System waren ein Grund f&#xFC;r die damals hohe Kindersterblichkeit. Ist jemand Rhesus-positiv, ist das Rhesus-Antigen auf den roten Blutk&#xF6;rperchen vorhanden (Rh+). Bei Rhesusnegativen Menschen fehlt das Antigen (Rh-). Damit ist das Rhesus-System der Blutgruppen das zweitwichtigste Blutgruppensystem.</p><h3 id="ein-ausnahme-immunologe">Ein Ausnahme-Immunologe </h3><p>Aus Sicht von Giulio Superti-Furga, Gr&#xFC;ndungsdirektor des CeMM Forschungszentrums f&#xFC;r Molekulare Medizin der &#xD6;sterreichischen Akademie der Wissenschaften, war Karl Landsteiner ein &#xBB;Ausnahme-Immunologe, der Medizingeschichte geschrieben und unz&#xE4;hlige Leben gerettet hat&#xAB;. Heute steht die Blutgruppe im Blutspende-Pass, manche Menschen wissen sie auswendig. </p><p>Landsteiner forschte aber auch auf anderen Gebieten. 1908 lieferte er gemeinsam mit dem&#xA0;&#xF6;sterreichischen Mediziner Erwin Popper den Beweis, dass es sich bei der Kinderl&#xE4;hmung um eine infekti&#xF6;se Erkrankung handelt. Am Wiener HygieneInstitut verfeinerte Landsteiner zudem die SyphilisDiagnostik und legte damit die Grundlage f&#xFC;r die Entwicklung eines Impfstoffes in den 1980er-Jahren. Insgesamt verfasste er etwa 350 wissenschaftliche Arbeiten, pr&#xFC;fte stets alles ganz genau und f&#xFC;hrte alle wichtigen Experimente selbst durch. Ein machtbewusster Forscher war er allerdings nicht. Im Gegenteil: Er galt als bescheidener und scheuer Mensch.</p><h3 id="sein-geburtstag-ist-seit-2004-weltblutspendetag">Sein Geburtstag ist seit 2004 Weltblutspendetag </h3><p>Aus pers&#xF6;nlichen Gr&#xFC;nden konzentrierte er sich in den letzten Jahren seines Lebens auf die Onkologie, da seine Frau Helene an Schilddr&#xFC;senkrebs erkrankt war. Doch er konnte ihr nicht mehr helfen: Kurz nach seinem 75. Geburtstag erlitt er im Labor einen Schlaganfall, an dem er zwei Tage sp&#xE4;ter verstarb. Seine Frau starb etwa sechs Monate sp&#xE4;ter. Der 14. Juni, der Geburtstag Landsteiners, ist seit 2004 Weltblutspendetag.</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>