Gesundheitskompetenz: gesunde Entscheidungen treffen können

Von Diana Arnold Lesezeit 2 Minuten
Symbolische Illustration: Eine Waage, Geld, Gesundheit

Das Interesse an Gesundheitsthemen ist groß, doch die Informationsflut dazu ist größer. Wie lassen sich trotzdem gesunde Entscheidungen treffen und Wissen in Praxis umsetzen?

Der Wunsch nach einem langen, gesunden Leben weckt ein natürliches Interesse daran, sich über Prävention und Gesundheitsthemen zu informieren. Doch Gesundheitskompetenz ist mehr als der Smalltalk über die Vor- und Nachteile veganer Ernährung. Bei Erkrankungen müssen fundierte Entscheidungen zur Behandlung getroffen und durch das Leistungsspektrum des Gesundheitssystems navigiert werden.

Finden, Verstehen, Beurteilen und Anwenden

Die Technische Universität München (TUM) ermittelte 2024 die Gesundheitskompetenz in Deutschland und damit »die Motivation, das Wissen und die Kompetenzen, die herangezogen werden, um gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag Gesundheitsentscheidungen treffen zu können«.

Im Ergebnis sehen sich drei Viertel der deutschen Bevölkerung nicht in der Lage, informierte Entscheidungen zur eigenen Gesundheit zu treffen. Zudem zeichnet sich eine laufende Verschlechterung der Gesundheitskompetenz ab: Zehn Jahre zuvor empfand es ›nur‹ etwa die Hälfte der Befragten als problematisch, sich im Informationsdickicht zurechtzufinden.

Ungesund und teuer

Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz seien häufiger und länger krank, würden öfter Notfalldienste beanspruchen und im Krankenhaus behandelt werden und folgten seltener Behandlungsempfehlungen, so die TUM-Studie.

Die Folgekosten belaufen sich nach WHOSchätzungen auf bis zu 5% der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Das entsprach in Deutschland 2022 etwa 24 Mrd. Euro.

Immerhin nehmen mit zunehmendem Alter auch die Gesundheitskompetenz und das Wohlbefinden zu. Die Befragten ab einem Alter von 60 Jahren wiesen eine deutlich höhere Souveränität hinsichtlich Gesundheitsthemen auf als jüngere Erwachsene.

Die Mehrheit der Deutschen vertraut für verlässliche Informationen weiterhin auf medizinisches Fachpersonal.

Die Mehrheit der Deutschen vertraut für verlässliche Informationen weiterhin auf medizinisches Fachpersonal. Doch die Gespräche in deutschen hausärztlichen Praxen sind mit sechs Minuten die kürzesten im europäischen Vergleich. Das stärkt wiederum die Rolle von Google, Instagram oder ChatGPT für die Vor- und Nachbereitung eines Arzttermins.

Digitale und Navigationale Gesundheitskompetenz

Das Interdisziplinäre Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung der Universität Bielefeld nimmt daher die digitale Gesundheitskompetenz in den Blick: Demnach nutzen inzwischen 82,5% der Bevölkerung Internetseiten zur Suche nach Gesundheitsinformationen. Im Jahr 2020 wiesen 75,8% der Befragten eine geringe digitale Gesundheitskompetenz auf, im Jahr 2025 waren es immerhin 4,7% weniger.

Daneben wurde auch die Navigationale Gesundheitskompetenz untersucht und damit die Fähigkeit, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden, also z. B. zu ermitteln, wohin man sich in bestimmten Fällen wenden muss und welche Leistungen beansprucht werden können. Über 80% der Deutschen fühlten sich damit überfordert.

Informationsbedarf versus Informationsflut

Die Politik reagiert mit Maßnahmen und Projekten, hat 2018 den Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz ins Leben gerufen und setzt damit vor allem auf Bildungsangebote. Mithilfe des crossmedialen Medienprojekts ›Pausenlos gesund‹ beispielsweise können Kinder und Jugendliche üben, gute von schlechten Informationen im Internet zu unterscheiden, und lernen, welche Rechte man als Patientin und Patient hat oder wie das Gesundheitssystem funktioniert.

Acht von zehn Deutschen stimmen der Aussage zu: »Über meine Gesundheit will ich alles wissen.« Doch es besteht eine Schieflage zwischen der Vielzahl an Informationen und der Fähigkeit, Relevantes zu identifizieren und souverän anzuwenden. Schlankheitspflaster und Detox-Einlegesohlen helfen nicht, wenn in der Familie ein Pflegefall eintritt und die Versorgung schnell sichergestellt werden muss.

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